fetisch:Mensch: Manchmal (2009)

Kinderherzen

kinderherzen
leuchten im violett greller notlügen
neontäuschmanöver
warten auf das vergessen werden
dem naiven ergrauen
kinderherzen

wenn ich spreche
flüstert mein verstand
wenn ich dich höre
lacht meine seele

wenn ich spreche
verletzen meine worte
silben schneiden
scharf und kalt
worte öffnen wunden
verletzen
schützen mich
kinderherzen

allein sein ist stille
still ist auch die einsamkeit
seelenstacheldraht
vernarbte einsamkeit
trauminfarkt
plötzlicher tod jeder sehnsucht
kinderherzen schlagen zart
die sonne versteckt sich hinter zuckerwatte
nur im wunderland
ist das leben süß
und das lachen unbeschwert
und jede raupe wird zum schmetterling
darf fliegen
und nach einem tag sterben...
bunt sterben
immerhin...

wenn ich spreche
flüstert mein verstand
wenn ich dich höre
lacht meine seele

nur das echo der eigenen gedanken
wirbelt durch die räume
die wir besuchen
besuchen werden
besucht haben
längst verlassen sind
nur der atem der erinnerung
fängt manchmal noch jene träume ein
die damals kinderherzen
aus ihren träumen hochschrecken liessen
und trotzdem...

wenn ich spreche
flüstert mein verstand
wenn ich dich höre
lacht meine seele

kinderherzen
kinderweinen
kinderlachen
und trotzdem...


Ich fang dich auf

Ich bin in einen Traum gesprungen
Schlug sofort am Boden auf
Ertrank in meiner Unvorsicht
Zerschnitt mir meine Zuversicht

Ich schwamm durch einen Regenbogen
Der roch nach Klee und Glück
Tauchte tief und fand den Tod
Der See gefror den Blick

Geändert hat sich nichts - Ich fang dich auf

Ich sang mit Engeln als sie weinten
Spielte Cello mit dem Tod
Alle Menschen wollten klagen
Doch sie lauschten ihrem Tod

Der Erste und der Letzte tanzten
Alle Engel küssten sich
Die Menschen vergaßen so ihr Leben
Der Tod zerschnitt ihr aller Glück

Geändert hat sich nichts - Ich fang dich auf

Komm, spring...
Ich fang Dich auf
Solang ich stehen kann

Geändert hat sich nichts - Ich fang dich auf


Blauer Sonnenstrahl

-


Lass mich...

Lass mich.
Lass mich deine Hülle durchdringen,
Deine Haut, Deine Seele,
Dein Innerstes verführen.

Will Dich fühlen, will Dich schmecken,
An Dir lecken.
Meine Haare über Deine Brust,
Deinen Rücken gleiten lassen.

Schmerzen und Narben versischen.
Deinen Kürper
Mit meinen Händen,
Meiner Zunge
Feucht, sanft verwöhnen,
Mit Lust die dunklen Gedanken verdrängen.

Lass Dich von mir umhüllen,
Mein Körper Dein Schutzschild werden lassen.
Niemand soll Dich verletzen können,
Ich nehme anstatt Deiner Dir den Schmerz.

Halte Dich und Deine Seele narbenfrei.
Du bist ganz rein und wunderbar,
So zart.

Duftest nach Jugend
Sehnsucht und Gier.
Eins sein mit Dir
Ist derzeit mein einziger Wunsch.

Zwei Herzen, ein Herzschlag
Im Tempo vereint.
Ich erlaube Dir, in mir das zu berühren,
Was ich am meisten noch fürchte:
Mich zu verlieren.

In einem endlosen Meer aus Träumen
Und unstillbarer Sehnsucht nach Dir.

Lass mich...

Lass mich das Wasser sein,
Das Dich reinigt und deinen Durst stillt.

Lass mich der Mund sein,
Der Deine Tränen wegküsst,
Deine Lust stillt.

Lass mich der Mann sein,
Der Deine Sehnsucht weckt,
Dich hält - still...

Mit mir das Leben als Abenteuer entdeckt

Gemeinsam bereisen wir unsere Körper,
Werden eins, genießen die Stille,
Die Suche, die Lust auf wonnige Schauer.

Ganz nah, wie ein Körper vereint,
Genieße das Zeitbild von oben,
Den Anblick sich liebender Leiber.

Berührst mich mit Deinen Worten,
Tiefer als jeder Kuss es vermag.
Ich denk an Dich - Tag und Nacht.

Jeden Augenblick, der frei ist.
So will ich es,
So liebe ich es.
So gehör ich Dir, so wie Du mir.

Und dennoch sind wir zwei, die denken,
Fühlen,
Sich nah sind,
Lieben
Und auch den Tag allein ertragen können.

Denn wir wissen,
Wir haben uns und die gemeinsame Zeit
Vor uns und jetzt im irgendwann.

Wir sind als Götterkinder auf ewig vereint.
Die Zeit ist nicht mehr länger unser beider Feind.


Fetisch:Mensch

Nicht das Auge
Nicht das Haar
Nicht nur die Haut
Lädt ein zum Kussversprechen

fetisch:Mensch, nicht nur ein Körpertanz
Ein Mensch kann fühlen, denken
Fleisch wird nur benutzt
Fleisch wird nur benutzt

Kein blinder Augenblick
Keine verdrängte Sehnsucht
Nicht reduziertes Fleisch
Mein Fetisch ist der Mensch
Sein ganzes Bild,
nicht ein Fragment
Kein Prothesenschrei

fetisch:Mensch, nicht nur ein Körpertanz
Ein Mensch kann fühlen, denken
Fleisch wird nur benutzt
Fleisch wird nur benutzt

fetisch:Mensch, nicht nur ein Körpertanz
Ein Mensch kann fühlen, denken
Fleisch wird nur benutzt
Fleisch wird nur benutzt

Narben sind nicht schön
Doch kompensierter Schmerz tut weh
Substanzverliebt
Textilbestimmt
Körperfernweh bewegt zum Reisen
Grenzen küssen
Lust genießen
Mein Fetisch ist der Mensch
Sein ganzes Bild,
nicht ein Fragment
Kein Prothesenschrei

fetisch:Mensch, nicht nur ein Körpertanz
Ein Mensch kann fühlen, denken
Fleisch wird nur benutzt
Fleisch wird nur benutzt

fetisch:Mensch, nicht nur ein Körpertanz
Ein Mensch kann fühlen, denken
Fleisch wird nur benutzt
Fleisch wird nur benutzt

fetisch:Mensch

Fleisch... wird... nur... benutzt


Narbengarten

Augenscheinlich bin ich narbenfrei
Doch tief in mir
Wuchert Gedankenfleisch
Belastet meinen Verstand
Tötet fast jedes Gefühl
Ich bin ein Narbenkind, das überlebt hat
Dem niemand glaubt

In der Dunkelheit fühle ich mich wohl
Meine Schmerzen sieht man nicht
Keiner sieht sie - Keiner kann sie sehen
Ich habe alle ausgesperrt
Kann mit der Zukunft nur noch flüstern
Sonst läuft sie vor mir davon
Ich bin allein und stehe in einem Minenfeld

Wir lügen und wir lieben nicht
Im Narbengarten tanze ich
Wir sehen und wir fühlen nicht
Wir Narbenkinder brauchen Licht
Wir lügen und wir lieben nicht
Im Narbengarten tanze ich
Wir sehen und wir fühlen nicht
Wir Narbenkinder brauchen Licht

Es ist schwer an das Gute zu glauben
Wenn man über all die Schöpfungsirrtümer stolpert
Besser wir packen sie in einen Sack
Und schicken sie als Reklamation zurück an Gott
Oder wie auch immer das Gute heißen mag.
Nicht alles was gut ist, ist gut
Kann gut sein
Und doch glaube ich an das Gute...
Bin ich wahnsinnig, weil ich hoffe?

Wir lügen und wir lieben nicht
Im Narbengarten tanze ich
Wir sehen und wir fühlen nicht
Wir Narbenkinder brauchen Licht
Wir lügen und wir lieben nicht
Im Narbengarten tanze ich
Wir sehen und wir fühlen nicht
Wir Narbenkinder brauchen Licht

Nimm Platz auf meinem Rücken
Ich breite meine Arme aus
verwandle mich für Dich
Mit Adlerschwingen
hebe ich Dich empor
fliege... und trage Dich weit weg
weg vom Narbengarten
weg von all dem Schmerz
Wir lassen ihn zurück
Deinen und meinen Schmerz
Wir fliegen davon
Ich fühle wie die Leere hinter uns schreit
Nur nicht zurückblicken
Bleib bei mir Narbenkind
Ich will Deine Tränen
Auf meiner Haut spüren
Will wissen, dass Du lebst
Dass Du leben willst
So wie ich
Lass uns einfach leben
Und uns als Menschen lieben
Lass uns Blumenblüten streuen
Über die graue Welt unter uns
Einen Tulpenblütenblätterregenbogen formen
Lass die Narben Narben sein
Und beginn mit mir zu leben
Überleben ist uns zu wenig

Wir lügen und wir lieben nicht
Im Narbengarten tanze ich
Wir sehen und wir fühlen nicht
Wir Narbenkinder brauchen Licht
Wir lügen und wir lieben nicht
Im Narbengarten tanze ich
Wir sehen und wir fühlen nicht
Wir Narbenkinder brauchen Licht


Sonnenkinder

Atme ich die Leere, fehlt mir die Luft
Die Luft um anderen Atem zu spenden
Wenn ich ersticke, stirbt die Welt um mich
Mir scheint die Zeit endet doch irgendwann
Irgendwann ist alles zu Ende
Endet die Zuversicht und fault

Die Zeit verbrennt mich
Doch ich schreie nicht

Trauer schmilzt wie Schnee in der Sonne
Sonnenkinder sind tote Götterkinder
Mensch geworden, jetzt sterblich
Alles auf Zeit
Ihre Schönheit schwindet Jahr um Jahr
Ihre Kraft verblasst
Die Zeit frisst sie auf
Sonnenkinder verbrennen schnell

Die Zeit verbrennt mich
Doch ich schreie nicht

Wer soll sonst die Angst Dir nehmen
Wenn nicht ich
Wer dann
Die Zeit verbrennt mich
Doch ich schreie nicht


Zwischenseelenträume

Zwischenseelenträume, Wortkämpfe und Alternativküsse.
Was bleibt ist ein blasser Schattenriss.
Ein: Damals war alles besser ist nur ein Trugpflaster,
das vielleicht den Schmerzmoment betäubt - stillt,
aber nie das heilt, was wirklich schmerzt,
die Erinnerung.
Die Erinnerung als bittersüßer Alternativkuss
schmeckt eben niemals wirklich nach Leben.
Kein Wort ist wichtiger als eine ehrliche Berührung.
Aber wer ist schon wirklich ehrlich?
Wortkämpfe haben schon so manchen Zwischenseelentraum zerstört.

Zwischenseelenträume
Echoküsse schmecken
Zwischenseelenträume
Liebeslügen träumen

Allein sein, allein bleiben.
Die Alternative um nicht verletzen zu müssen?
Die Alternative dazu, nicht verletzt zu werden?
Komm mir bloß nicht zu nah,
denn ich weiß, es wird Dir weh tun.
Ich spüre schon lange nichts mehr.
Also: Küsse mich,
aber denke daran,
dass jedes Echo als Alternativkuss
ein Stück aus Deiner Seele reißen wird.
Zwischenseelenträume träumt man ganz selten zu zweit.
Aber wenn doch, dann für eine fast vergessene Ewigkeit.

Zwischenseelenträume
Echoküsse schmecken
Zwischenseelenträume
Liebeslügen träumen


Minenfeld

Das ganze Leben ist ein endloses Konditionieren.
Erlebtes in Verbindung mit Musik, Bildern, Geschmack und Gerüchen.
Ein Spaziergang durch ein Minenfeld.

Gefühlsminen reißen Stück um Stück die Seele aus dem Körper.
Was fühlen kann wird taub. Irgendwann nimmt man nur noch das Grobe war.
Manchmal ist es gut nicht hinzuhören was andere sagen, denken, fühlen.
Manchmal ist es gut zuzuhören, nachzudenken, nachzufühlen.
Manchmal ist es auch einfach nur egal.
Minen können auch ganz leise explodieren.
Menschen zum Gefühlsauthisten verkrüppeln.
Grenzgänger auf der Suche nach...

Wie lange man gemeinsam geht, ist letztlich nur die Bilanz eines Irgendwann-Scheiterns.
Abrechnung inklusive, egal wie hässlich sie sein mag, sie erwartet uns am Zahltag, auch für Krüppel.

Man lernt Menschen kennen, manchmal langt die Oberfläche, denn Hautkontakt ist manchmal völlig ausreichend.
Auch diese reduzierte Form kann Spaß machen. Ohne tiefgründige Dialogfomen wird das Abschied nehmen erleichtert.
Ein Kaffee muss nicht unbedingt sein. Wie unangenehm ist ein Morgen, wenn man nicht geschlafen hat.
Die Umgebung, fremd wie der Mensch neben einem im Bett. Die Details vergisst man viel schneller ohne Kaffee.
Wie roch die Haut, nach Schweiß, Parfum? Wurde ein Scheitern umgangen oder nur verschoben?

Lust gekostet, vielleicht genossen, zumindest für die Augenblicke die man gemeinsam mit einem fremden Menschen verbracht hat.
Körperliche Grenzgänger sind Nachtwandler die ruhelos und unverbindlich suchen.

Selten wird ein Fremder zu einem Menschen den man schätzt.
Aber es kommt vor, wenn man es zulässt, bereit dafür ist, es zuzulassen.
Wie viele Gelegenheiten man allerdings verpasst, bleibt das Geheimnis der Zeit.
Geheimnisse machen Menschen interessant. Manchmal erhöhen sie die Spannung beim Entdecken des Gegenübers.
Jeder Mensch sollte ein letztes Geheimnis für sich behalten dürfen, denn nur dann bleibt die Neugier erhalten.

Zuviel Wissen tötet die Lust, auch die Lust am Leben.
Wieso sind Politiker so grau?
Außerdem sollte sich zwischenmenschlicher Kontakt nicht nur auf Penetrationsübungen unterschiedlicher Dehnarten beschränken.

Auch Worte können penetrieren, zumindest penetrant wirken.
Manch eine Alkoholfahne offenbart schlichtes Denkvermögen.
Solch ein Spracharoma kann sehr ärgerlich wirken.
Wie gewöhnlich wirkt jetzt ansonsten so biedere Gestalt.
Billig sein hat nichts mit dem verfügbaren Geldmitteln zu tun.
Eher mit dem was man darstelllt, wenn man sich seiner Masken beraubt.
Sie mit Alkohol abschminkt.

Ein Spaziergang durch ein Minenfeld ist allein erträglicher, denn so verliert man nur sich selbst.

Denn so verliert man nur sich selbst.
Denn so verliert man nur sich selbst.
Denn so verliert man nur sich selbst.
Denn so verliert man nur sich selbst.


Nicht heute, aber morgen

Nicht heute, aber morgen
Nicht jetzt, später
Irgendwann geht jede Reise zu Ende
Endet jeder Gedanke
Jedes Gespräch
Jede Freundschaft

Ich flog mit Dir durch meine Welt
Die leider nie die Deine wurde
Ich sah unsere Zukunft
Die nur aus Wünschen und Sehnsüchten erbaut
Irgendwann im Nichts verschwand

Wie oft küsste ich Deine Lippen?
Schmecken konnte ich sie nie
In Träumen schmeckt man nicht
Als ich aufwachte
Starb alles in mir
Mein Körper lebte weiter

Jeden Tag trete ich vor den Spiegel
Suche nach neuen Falten
Die Zeit ist mein Begleiter
Der Trost:
Alles in der Natur ist endlich
Die Freundschaft
Die Liebe
Das Fleisch

Nicht heute, aber morgen
Nicht jetzt, später
Irgenwann ist alles
Vorbei...

Aber es gibt immer auch ein Übermorgen...


Manchmal

manchmal wirkt die welt nur noch bedrohlich
und in anderen momenten
wirst du einfach nur so geküsst
und du vergisst in diesem augenblick
all die zeit der schatten...
so trocknen die tränen schneller
deine stimme wird fester
und der anspruch an dich
wird wieder erfüllbar
in gedanken und taten
lass dir selbst die flügel wachsen
die du anderen menschen gönnst
lass aus ihnen götterkinder werden
sei wunderbar

wunderbar
manchmal
wunderbar
manchmal

stell dich vor den spiegel
und dann weine
küss dein spiegelbild
und dann lebe
dreh dich um
und lass die tränen der vergangenheit zurück
geh und lass alles zurück
wenn nötig
auch mich...

oder nimm mich mit
küss mich
zum abschied
oder zum gemeinsamen aufbruch
wichtig ist nur
dass du gehst

allein?
mit mir?
nur geh!