Goethes Erben: Nichts bleibt wie es war (2001)

Der Eissturm

Und aus Regen kalt erwacht der Eissturm,
Diamantenstaub krönt die Nacht
Zu einem kalten Tränenmeer.

Allein - zu zweit...
Allein verlassen...

Kinderträume sterben,
Erwachsene leugnen ihre Zukunft.
Der Traum erfriert durch bitterkalte Bittgebete.
Die wirre Jugend stiehlt so unbeholfen
Noch von Schuld befreite Küsse,
Von fremden Lippen, die nicht begehren,
Nur nach Abenteuer schmecken.
Kalt und feucht,
Das Naß gefriert
Ungestüm der Bruderkuß.
Zum Plus und Minus
Der Zeitenwende
Der Unschuld ungestüm beraubt.

Allein - zu zweit...
Allein verlassen...

Die Alten küssen abgeklärt,
Schmecken ohne Neuland zu erkunden.
Ihre Zungen warten auf den letzten Kuß
Im Auto, auf dem Wasserbett.

Allein - zu zweit...
Allein verlassen...

Ein letztes Mal
Der Eissturm fesselt,
Ermahnt zur Stille,
Verführt die Jugend.
Sie sich selbst
Starre Ruhe erklärt den Morgen.
Den die Nacht aus Sturm und Eis gebar.

Ein totes Kind,
Ein fast noch Kind,
Das verloren schien.
Ein zartes Paar,
Vier Alte, keine Greise - wissen nichts.

Sie küssen nicht,
Sie lieben nicht,
Sie schweigen...

Allein - zu zweit...
Allein verlassen...

Eissturm...
Die Sonne taut nur eins - das Eis.
Der Sturm, er schläft.


Vermißter Traum

Das Wasser klar - befreit das Leben,
Umschließt jetzt kalt - als Eis den Leib.

Ein Puppenkind - in blassem Rot-Ton
Erstickt im Eis - wie Zuckerguß.

Vermißter Traum - ich will jetzt tanzen
Im kalten Bach - ganz regungslos...
Vermißter Traum - will dich erträumen
Ein letztes Mal - mit dir allein...

So süß geträumt - doch ohne Freude,
Niemals gesucht - und nie befreit...

Es kämft allein - gegen Narben,
Mit blauen Lippen - der Mund einst rot...

Dem Glanz beraubt - ein kalter Körper...
Die Zukunft friert - Pandora tanzt...

Sie holt die Puppen - die Kinderkörper...
Ein Weinen fehlt - die Augen blind...

Vermißter Traum - ich will jetzt tanzen
Im kalten Bach - ganz regungslos...
Vermißter Traum - will dich erträumen
Ein letztes Mal - mit dir allein...

Vermißter Traum - ich will jetzt tanzen
Im kalten Bach - ganz regungslos...
Vermißter Traum - will dich erträumen
Ein letztes Mal - mit dir allein...

Kaputtgeliebt - zerstörte Seelen,
Mißhandelt leer - so ohne Sinn...

Leergeliebt - verstörte Träume.
Es ist kein Mensch - der keinem fehlt.

Vermißter Traum - ich will jetzt tanzen
Im kalten Bach - ganz regungslos...
Vermißter Traum - will dich erträumen
Ein letztes Mal - mit dir allein...

Vermißter Traum - hör auf zu atmen
Sieh den Ast - den Baum, den Wald...
Vermißter Traum - will dich berühren
Ein letztes Mal - bin ich allein...


Ganz still

So schwarz - So leer - Ganz still
So schwarz - So leer - Ganz still

Allein vom leeren Blick fixiert,
Erwartet er den Stern im Nichts,
Auf ein bekanntes Augenpaar,
Das in das Zimmer blickt.

Im schwarzen Fenster spiegelt sich
Ein mürber Strauß einst leuchtend roter Rosen.
Sie duften nicht.
Die Nacht schluckt jede Wahrheit vor der Tür.
Sie liebten sich,
Berührten sich,
Und ruhten nach dem Sturm.

So schwarz - So leer - Ganz still
So schwarz - So leer - Ganz still

Kein Mondlicht weist ein Ziel im Nichts.
Der Raum begrenzt den Blick.
Die Freiheit ist so nah wie fern.
Der Schlaf ließ ihn allein zurück.

Allein - nicht frei - allein

So schwarz - So leer - Ganz still
So schwarz - So leer - Ganz still

Ein tiefer Blick gefriert das Glas,
Sein Bruderbild gleicht ihm aufs Haar.
Kein Augenblick bleibt regungslos,
Befreit die Wahrheit vor der Tür.

So schwarz - So leer - Ganz still
So schwarz - So leer - Ganz still

...und einen Mund der seinen Hunger stillt.


Paradoxe Stille

Hör den Tropfen,
Fallend rauschen,
Fühl die Sonne,
Grüß die Haut,
Sieh die Blumen
Duftend schwebend,
Alles schreit.
Stille Zeit.

Paradoxe Stille - die Zeit erstickt im Farbenrausch.
Paradoxe Stille - die Zeit verliert ihren Halt im Raum.
Paradoxe Stille - die Zeit erstickt im Farbenrausch.
Paradoxe Stille - die Zeit verliert ihren Halt im Raum.

Nie wieder vorwärts,
Schritt zurück,
Der Mund verschlossen,
Augenblick,
Vernähte Lippen,
Glaube ich,
Augen fragen,
Warum ich...

Paradoxe Stille - die Zeit erstickt im Farbenrausch.
Paradoxe Stille - die Zeit verliert ihren Halt im Raum.
Paradoxe Stille - die Zeit erstickt im Farbenrausch.
Paradoxe Stille - die Zeit verliert ihren Halt im Raum.

Entfernte Haut
Nur bloßes Leben,
Jeder schreit,
Gehört wird nichts,
Niemand wartet,
Keiner sieht,
Warum jeder,
Nur nicht ich...

Paradoxe Stille...

Paradoxe Stille - die Zeit erstickt im Farbenrausch.
Paradoxe Stille - die Zeit verliert ihren Halt im Raum.
Paradoxe Stille - die Zeit erstickt im Farbenrausch.
Paradoxe Stille - die Zeit verliert ihren Halt im Raum.


Glasgarten

Wie aus Wasser geformt - erstarrt,
Gesprungenes Lachen,
Elfenstimmen eilen
Zwischen den klaren Blüten,
Eisgleicher Äste,
Glashafter Bäume...

Ob sie wohl Leben?
Sie werfen keine Schatten,
Nur gebrochene Bilder...
Sie fächern das Licht.

Im Glasgarten verirrt sich die Zeit,
Und bleibt als Moment erhalten...
Und bleibt als Moment erhalten...

Nur der Mond weist den Weg zum Morgen,
Erlaubt der Sonne einen neuen Tag,
Im Glasgarten küßt der Mond das Licht.

Ganz aus Glas,
Kalt wie Eis,
Jeder Baum im Glasgarten.
Blüten rein wie Kristall
Jeder Ton im Glasgarten.


Nichts duftet
Geschmacklos die Frucht.
Wer genießt sie?
Schön...
Im Kristallglas
Verirrt sich das Licht.

Nur der Mond weist den Weg zum Morgen,
Erlaubt der Sonne einen neuen Tag,
Im Glasgarten küßt der Mond das Licht.

Ganz aus Glas,
Kalt wie Eis,
Jeder Baum im Glasgarten.
Blüten rein wie Kristall
Jeder Ton im Glasgarten.


Die Blumen wirken spröde und starr.
Wem sollte ich diese Kälte schenken?
Die Leere zumuten,
Unmöglich sie zu pflücken.
Sie zerspringen in abertausend Splitter,
Winzige Kristalle, die im Fallen singen,
Den Atem der Elfen begleiten an jedes Ohr,
Das bereit ist zu hören.

Und die Blumen wirken spröde,
Ganz unmöglich sie zu pflücken.
Sie zerspringen in Kristalle
Die im Fallen leise singen.
Und der Atem sanfter Elfen,
Die den kleinsten Ton begleiten
Durch den Garten ganz aus Lichtern
An dein Ohr, wenn du denn hören kannst.


Nur der Mond weist den Weg zum Morgen,
Erlaubt der Sonne einen neuen Tag,
Im Glasgarten küßt der Mond das Licht.

Ganz aus Glas,
Kalt wie Eis,
Jeder Baum im Glasgarten.
Blüten rein wie Kristall
Jeder Ton im Glasgarten.


Wie alles - klar - glatt - rein...
Wie alles - klar - glatt - rein...

Ganz aus Glas,
Kalt wie Eis,
Jeder Baum im Glasgarten.
Blüten rein wie Kristall
Jeder Ton im Glasgarten.



Nicht bleibt wie es war
(перевод и обработка песни "Shockwaved" группы Still Silent; автор оригинального текста - Peter Spilles)

Ein Vogel fliegt vorbei - 2500 Fuß
Etwas fällt - himmelblau
In Zeitlupe - lieblich und friedlich
Alles in Zeitlupe

2000 Fuß - eine Stadt
Sekunden werden Minuten
Die Zeit wartet
Tick tack tick tack
Sie fällt

1500 Fuß - zwei Menschen
Ein letzter Kuß
Zündung

Now!
Nicht atmen - ein Farbenspiel
Ein greller Blitz - alles vergessen
Tausend Seelenfackeln
Die Hitzewelle - tödlich glutheiß
Ein Atemzug - ein heißer Atemzug
Giert nach
Stille

Es scheint die Erde bebt
Ganz langsam - ganz taub
Alles geschmolzen
Die Zeit stolpert - bleibt kurz stehen
Ein Haus - ein Paar im Tod vereint - verkohlt
Ein Schrei betäubt - stürzt ins Dunkel
Tick tack tick tack

Now!
Shockwaved
Nichts bleibt wie es war
Geschosse aus Stein und Hagel aus Glas
Zerschneiden durchbohren
Häuser stürzen
Begraben was war - begraben was war

Stille
Schwarze Wolken
Vergangenheit und Gegenwart zersetzen sich
Keine Worte - keine Stimme
Und kein Wissen
Die Zukunft fehlt...

Now!
Ein Feuersturm - alles brennt
Selbst was nicht brennen dürfte
Es brennt
Ein Glück zu sterben
Die Fratze des Teufels
Die Macht der Menschlichkeit
Ist jetzt vorbei

Now!
Shockwaved
Nichts bleibt wie es war
Geschosse aus Stein und Hagel aus Glas
Zerschneiden durchbohren
Häuser stürzen
Begraben was war - begraben was war
Stille


Himmelgrau

Die Dummheit gedeiht auch im Vakuum.
Wenn niemand fragt,
Bleibt die Zukunft stumm.

Die Dummheit gedeiht auch im Vakuum.
Wenn niemand fragt,
Bleibt die Zukunft stumm.

Vorbei das Spiel mit toten Träumen.
Himmelgrau - verstecktes Licht,
In sich, an sich, um sich sehen,
Sich bewegen.

Himmelgrau!

Arrogantes Egodenken,
Vorbild leugnen,
Geist verrenken,
Sprache spucken,
Eigen nennen,
Doch eigentlich nur anderer Worte
Sinnzerkaut erbrechen.

Himmelgrau!

Lichtbild - Paßbild,
Kopfschuß als Dokument,
Für ein paar Jahre Existenz,
Hier der Beweis,
Die legitime Antwort
Auf den Fragenkatalog,
Dem Zöllibat der Allmacht.

Kain ist schwul und Abel tot.
Wär es so würde keiner denken,
Den Geist verrenken,
Auf Menschen spucken,
Im Todeskarrussel entzückt beschützen.

Ich bin das Fleisch
Auf dem Gabentisch der Macht.

Himmelgrau!

Magdalena schlief mit Gottes Sohn,
Die Kirche weltlich
Frechheit siegt,
Nur durch Duldung
Gewalt triumphiert,
Ein Endlosschweigen,
Das Vielkopfbiest, daß das Hirn zerfrißt.

Haß ist nichts als ein
Schreiendes Gehirn,
Das von Schmerzen gelähmt,
Das Denken vergißt
und das Wissen erstickt.

Im Himmelgrau
Tanzen schwangere Engel,
Mit toten Körpern
Mi&szligbrauchter Kinder.

Der Tod ist nur eine wahre Lüge.
Der Tod ist nur eine Ware - Lüge.

Himmelgrau!

Ich bin das Fleisch
Auf dem Gabentisch der Macht.

Himmelgrau!

Der Tod ist nur eine wahre Lüge.
Der Tod ist nur eine Ware - Lüge.

Himmelgrau - tot!


Ganz sanft

So fern,
Nur blind,
Bemerkt man
Den eigenen Mut,
Springt in die Leere
Und füllt sie mit Glut.

Kein Sturz,
Nur ein Freifall,
Umgeben von Glück,
Ein Abschied vom Jetzt
Und eine lustvoller Blick.

Die Vergangenheit ruht,
Das Neue noch fern,
Die Wahrheit ist Liebe,
Doch Neid ist ihr Kern.

Mit Haut offenbart sich,
Betäubt so den Lärm,
Der fallenden Körper,
Tief stürzender Zeit.

Ganz sanft - ganz nah - so fern - so sanft...
Ganz nah - so fern - ganz sanft - so still...

So gebar die Hochmut den Fall.
Die Eins und das Nichts,
Die Zwietracht-Geschichte vom göttlichen Fall.

Ganz sanft - ganz nah - so fern - so sanft...
Ganz nah - so fern - ganz sanft - so still...

Die Drei fiel gemeinsam.
Liebkinder sind Engel?
Gegeißeltes Fleisch,
Verfallen der Frucht...

Wer liebt die Eins?
Die Buße als Tugend.
Die Drei ist ein Engel,
Ein Mensch und Dein Gott.

Ganz sanft - ganz nah - so fern - so sanft...
Ganz nah - so fern - ganz sanft - so still...


Rotleuchtende einst weiße Engel

5. Mai 2000 und...
7 in Reihe.
7 Mal geboren.
7 Jahre lang.
Zeitgleich sterben.
Siegel brechen.
Posaunen brüllen,
Begrüßen
Rotleuchtende
Einst weiße Engel.

Rotleuchtende
Einst weiße Engel
Führen ihr Schwert,
Zerschlagen die Pforten,
Vergreisen die Welt,
Entleeren das Leben,
Verklären die Sicht,
Ersetzen mit Stille,
Mit Steinen.
Die Frucht,
Säen die Seuchen
Und ernten den Tod...
Rotleuchtende
Einst weiße Engel zweifeln...

Rotleuchtende
Einst weiße Engel
Schreiben mit Galle
Das Buch ihrer Not,
Proben den Aufstand,
Entwerten das Buch,
Entfliehen den Wolken,
Entkommen dem Licht,
Erblinden in Weisheit,
Die Unschuld erbricht...
Von Wahrheit
Durchbohrte
Rotleuchtende
Einst weiße Engel stürzen.

Rotleuchtende
Einst weiße Engel,
Gefallene Reinheit,
Stille - und leere Seiten,
Im vorletzten Buch...

Rotleuchtende
Einst weiße Engel
Stürzen.


Fleischschuld

Auch wenn dieser Raum sicherlich schon unzählige Schreie beheimatet hat,
So sind es immer wieder die wimmernden Laute von Kindern,
Die das Grauen, der bei der Bestrafung anwesenden Zeugen,
Geistig überwuchern.

Kleine Finger umfassen vorsichtig das dreieckige,
Rasierklingenscharfe Messer und treiben es in das eigene Fleisch.
Jedes Kind versucht zuerst sich schonend zu bestrafen,
Doch das Gesetz fordert immer die korrekte Einhaltung
Des Tributes an eigenem Fleisch.

Was zählt ist jene blutige Masse bestraften Lebens,
Welches auf der Waage zu Protokoll genommen werden kann.
Schürfwunden wiegen nichts,
Nur rohes Fleisch, Haut, Knochen und Fettgewebe gelten als Sühneopfer.
Je schwerer die Tat im Angesicht der Staatsgewalt,
Um so tiefer muß der Delinquent
Die Dreiecklinge in den eigenen Körper treiben.

Die Selbstverstümmelung ist neben unterschiedlichen Formen
Der Todesstrafe, die einzige Form der Sühne.
Egal ob Mann, Frau, Kind oder Greis, das Gesetz trifft jeden.
Bei Diebstahl von Lebensmitteln, oder Konspiration ist die Fleischsühne oft so groß,
Daß der Verurteilte an seinem eigenen Körper Amputationen vornehmen muß.

Es ist schon ein bizarrer Anblick,
Wenn Kinder ihre kleinen Ärmchen vom Körper abtrennen
Um für ein gestohlenes Stück Brot oder eine Konserve Obst zu sühnen.
Schon so manch Zwölfjahriger mußte mit seinen Unterschenkeln
Für eine unbedachte Äußerung auf dem Hof
Einer Erziehungsanstalt bezahlen.

Gerechte Schreie gab es nur selten,
Denn eine Schuld nachzuweisen fiel den Behörden viel leichter,
Als es den Delinquenten möglich war,
Ihre Unschuld zu beweisen.

Die Gesellschaft wollte Sühne,
Und viele Menschen genossen es sogar,
Den Bestrafungen beizuwohnen.
Bei Kindern mußten die Menschen fast immer gezwungen werden,
Der Tilgung der Fleischschuld beizuwohnen.
Die Menschen betrachteten lieber die blauen Bilder,
Die das Grauen mundgerecht und steril frei Haus lieferten.

Eine kleine Hand, ein zartes Bein,
so schneidet Stahl das Fleisch entzwei...

Und das alles in einer Gesellschaft von Vegetariern,
Denn Tiere gab es seit Jahrzehnten nicht mehr.
Es war irgendwann unmöglich geworden,
Mit der vorhandenen pflanzlichen Nahrung Mensch und Tier,
Das Überleben zu gewährleisten.
Das Tier starb vor dem Menschen aus,
Wer hätte das gedacht,
Doch ein Großteil der Bevölkerung trat dafür an seine Stelle.

Amputationen überlebten nur wenige Erwachsene und kaum ein Kind,
Es sei denn die eigene Mutter oder ein sonstiger naher Verwandter
Übernahm einen Teil der Fleischschuld,
Durch Verstümmelung des eigenen Körpers.
Eine Gnade, die aber nur Kindern und Schwangeren gewährt wurde.
Letztere konnten ihre Schuld auch mit dem Fleisch ihres
Ungeborenen Lebens sühnen.

Mit Schmerzen zu bezahlen?
Ein Stück Fleisch eigenhändig aus dem eigenen Körper schneiden.
Mit seinem Leib zu sühnen,
Für Taten oder auch nur ausgesprochene Gedanken.
Ethisch degenerierten Kindern gehen irgendwann
Mit ihrem Kollektiv zugrunde.

Eine kleine Hand, ein zartes Bein,
so schneidet Stahl das Fleisch entzwei...

Fleischschuld!


Zimmer 34

I

Grau in Grau.
Die Warteschleife im Hotel und das Hotel.
Grau in Grau.
In der Halle warten Menschen.
Brauchen keine Münder, keine Augen.
Uninteressierte glasige Blicke.
Vergeistigt - farbenblind.
Betretenes Schweigen.
Kein Blick verfolgt mich.
Keiner grüßt und kein Gast fragt.

An der Rezeption gebe ich über eine Tastatur meinen Wunsch ein:
Ein graues Zimmer ohne Fr&uumlhstück.
Ich zahle mit Plastik.
Meine Hand entnimmt einem sich öffnenden Schubfach einen Schlüssel.
Zimmer 34.
Dritter Stock.
Die zweite Tür links.
Oder war es rechts?
Was stand eigentlich sonst noch auf dem Display,
Als meine Buchung bestätigt wurde?
Sicher nichts Wichtiges.
Der Drucker hätte es sicherlich ausgespuckt.
Gleichzeitig mit dem Schlüssel.
Meinem Schlüssel.

Die Aluminiumtür des Aufzugs öffnet sich.

Ich betrete den Fahrstuhl allein.
Als einziger Gast.
Die Unentschlossenen bleiben zurück.
Sie sehen nicht.
Sie sprechen nicht.
Sie denken nicht.
Machen keine Fehler.
Zumindest glauben sie das.

Der Fahrstuhl bewegt sich.
Einen halben Gedanken später öffnet sich das Aluminium.
Ein leerer Gang.
Ich zähle die Schritte:
Eins,
Zwei,
Drei,
Vier,
Fünf...
Leider, in die falsche Richtung.
Es hieß doch links.
Fünf Schritte.
Den Weg zurück.
Mit zehn weiteren erreiche ich mein Zimmer.
Nr. 34.
Vor der Tür.
Der Schlüssel...

Hinter der Tür.
Kein Teppich.
Nur hellgraue Kacheln.
An Boden und Wänden.
Leicht zu reinigen.
Der Raum ist viel zu grell.
Unangenehm hell.
Aber leicht zu reinigen.
Neonlicht macht häßlich.
Obwohl mich keiner sieht.
Es macht unvorteilhaft.
Es ist zu ehrlich.
Das Neonlicht.
Aber praktisch.
Für das Reinigungspersonal.

Kein Fenster.
Kein Tageslicht.
Kein Lebendlicht.
Im Bad geht gar kein Licht.
Im Spiegel sehe ich besser aus als befürchtet.
Das Licht bleibt vor der Tür des Badezimmers.
Die Wahrheit wartet ab.
Verliert ihren Schrecken.

Ich ziehe mich aus.
Nehme ein Bad.
Bis auf das warme Wasser fühle ich nichts.
Wie angenehm.

Wieder im Zimmer.
Die Wahrheit wartet.
Läßt sich nicht verscheuchen.
Ein Stuhl aus Plastik.
Kein Tisch.
Ein Bett mit Plastiklaken.
Keine Decke.
Aber ein abwaschbares Kissen.
Für Menschen, die es bequem haben wollen.
Typisch eingerichtet.
Eben ein graues Zimmer ohne Frühstück.

Ein dunkelgraues Telefon.
Am Boden neben dem Bett.
Für die Unentschlossenen.
Von Außen nicht erreichbar.
Daneben eine graue Schachtel.
Es ist zu hell.
Ich stelle mich auf den Plasikstuhl.
Drehe zwei der drei Neonröhren aus der Halterung.
Angenehmer.
Aber bei weitem nicht gemütlich.
Effektiv.
Leicht zu reinigen.

Ich setze mich auf den Stuhl.
Schaue zum Telefon.
Fixiere die Schachtel.
Atme bewußt ein und aus.

Blicke zurück auf einen Abschnitt Leben.
Noch einmal bewußt erleben.
Vielleicht auch genießen.
Die Schachtel.

Ich stehe auf.
Öffne die Schachtel.
Setze mich auf den Stuhl.
Schlucke einen bunten Cocktail.
Tabletten und Kapseln.
Geschmacklos.
Sie waren das einzige Bunte
in diesem Raum.
In diesem Hotel.
Die Wirkung färbt den Verstand.
Sind Farben schön?
Machen sie Spaß?

Ich warte während ich denke.
Ich höre auf zu denken.
Warte weiter.
Der Raum wird größer.
Grau schimmert grün.
Ich werde unruhig.
Meinen Herzschlag kann ich spüren.
Die Unordnung in meinem Körper.
Die Decke schimmert bläulich.
Irgendwie angenehm.
So blau.

Der Raum verliert jede Form.
Jede Wand, die Decke.
Alles scheint zu leben.
Meine Augen verirren sich.
Ich schließe sie.
Habe Probleme zu sitzen.
Spüre keinen Stuhl.
Keinen Boden.
Keine Füße.
Ich merke wie ich falle.
Mein Kopf schlägt auf.
Schmerzfrei.
Der Boden ist doch noch anwesend.
Aber nicht spürbar.
Nur für meinen Kopf.
Mein Blut ist leuchtend Rot.
Irgendwie künstlich.
Leuchtend Rot.

II

Leicht zu reinigen...

...Geändert hat sich nichts.


Nur ein Narr

Genau betrachten,
Nicht blind stolpern,
Die Zeit betrügen.

Unbegreiflich unsere Existenz,
Deren Bedeutung nicht Erinnerungen kaufen.

Die Unendlichkeit wäre fast erreicht,
Doch zu welchem Preis?
Die Neugier,
Der Entdeckertrieb,
Fleisch und Geist,
Egal ob fremd ob Eigentum,
Nur eins - genießen,
Die nächste Generation
Mit Eigenfleisch bereichern.

Doch... warum entdecken
Wenn Manipulieren
Vor dem Lernen käme?
Wer wird wohl Neues
Im scheinbar leeren All
Entdecken wollen,
Anstatt unendlich jung
Vom Wissen nur zu naschen?

Ein Moment für die Ewigkeit,
Ein Platz im Tagebuch,
Ein Abenteuer,
Nur ein Spiel,
Ein Sprung im Zirkuszelt,
Der weisen Greise...
Wer verjagt wen?
Das Kind den Mann?
Der Mann das Kind?
In einem Geist vereint auf Zeit nicht ewig,
Menschen streiten sich fast immer nur
Um Nahrung oder Lustgewinn?
Die Zeit betrügen...

Irgendwann schlägt die Zeit zurück
Und fesselt den Verstand an die Vergangenheit.
Das Gestern wird vom Zauber
Junger Jahre verdrängt.
Die Zukunft hat noch keinen Geschmack,
Keine Farbe,
Kein Gesicht...
War das wirklich alles?

Frißt die Zeit meine Träume?
Ich torkle durch ein Feuerwerk
Aus menschlicher Unmenschlichkeit.
Bleibt ein Mann auch Kind?
Sag "Ja", nicht "Nein"...

Nur ein Narr betrügt die Zeit.

War das wirklich alles?


Was war bleibt
(песня группы Erblast с первого альбома)

Was war, bleibt...
Was ist, scheint...
Nie erreicht!

Es sucht und findet nur einen neuen Tag.
Es schenkt und... nimmt...
Es liebt und... tötet...
Schreit! Schreit!

Es sucht das Opfer
Um sich als Täter zu offenbaren,
Weder schuld noch schuldlos...

Im Rollenspiel verloren schien
Das Maß, das bleibt,
Nur ein Trugbild,
Nicht existent,
Doch maßgebend...

Was war, bleibt...
Was ist, scheint...
Nie erreicht!


Schreiheit

Schweiger fordern oder mahnen,
Werden immer überhört.
Freie mahnen oder fordern,
Wiegen sich in Sicherheit.

Schreiheit - Freiheit - Feigheit

Feige schlagen oder betteln,
Üben sich in Duldsamkeit.
Greise wissen und verschweigen,
Heucheln stumm Vergeßlichkeit.

Schreiheit - Freiheit - Feigheit

Freie mahnen oder fordern,
Wiegen sich in Sicherheit.
Geile schreien oder stöhnen,
Aalen sich in Bigottheit.
Schweiger töten oder foltern,
Werden immer überhört.
Freie foltern oder töten,
Stören ihre Sicherheit.
Menschen schweigen oder schreien,
Selten nur aus Menschlichkeit.

Schreiheit - Freiheit - Menschheit


Mensch sein

Atmen
Fühlen
Schmecken
Vom Instinkt beseelt

Sehen
Greifen
Hören
Individuum bestimmt

Mensch sein
Frei sein
Freigeist
Freiheit

Sitzen
Krabbeln
Laufen
Ringelrei im Sinn
Lernen
Sprechen
Lesen
Wissensdurst gestillt

Mensch sein
Frei sein
Freigeist
Freiheit

Vertrauen
Küssen
Lieben
Zweisamkeit bestimmt

Verzeihen
Geben
Nehmen
Mensch sein unbestimmt

Mensch sein
Frei sein
Freigeist
Freiheit

Schluß!