Goethes Erben: Zeitlupe (2010)

Der Spiegel

Ich schau in den Spiegel.
Der Spiegel zerbricht.
Die sanfte Form verändert sich
Zum Chaos ohne Sinn.
Im Kristallstaub der zu Boden sinkt
Bricht sich das Licht millionenfach.

Aufgespalten in seine Farben
Wird das Unsichtbare zu Rot und Blau zersetzt.
Der geborstene Spiegel hängt noch an der Wand.
Mein Gesicht ist verschwunden.
Mein Geist zersplittert und zerstört,
In zahllose Scherben zersprungen.

Ich schau in den Spiegel.
Der Spiegel zerbricht.
Die sanfte Form verändert sich
Zum Chaos ohne Sinn.
Im Kristallstaub der zu Boden sinkt
Bricht sich das Licht millionenfach.

Aufgespalten in seine Farben
Wird das Unsichtbare zu Rot und Blau zersetzt.
Der geborstene Spiegel hängt noch an der Wand.
Mein Gesicht ist verschwunden.
Mein Geist zersplittert und zerstört,
In zahllose Scherben zersprungen.

Die Gedanken zerschnitten,
Doch es blutet nicht...

Nur der Geist ist verloren.

Ich habe aufgehört zu existieren.


Märchenprinzen

Märchenprinzen sterben schneller als erwartet,
Denn sie sind nur sch&oumln und fröhlich.
Manisch lächelnd fallen ihre Blicke zuckersüß.
Die Maske schmilzt zur Fratze,
Übersät mit bittersüßen Tränen.
Pastellfarben bleiben leicht verdaulich,
Kraftlos blättert die Farbe vom Kostüm...
Ton um Ton wird alles grau.
Ton um Ton verstummt.

Märchenprinzen lachen laut, verschwinden leise...
So fällt ihr Lachen in den bittersüßen Fluß,
Darin tanzen die Blätterfarben unaufdringlich in Pastell,
Und laut lachend schwimmt der Märchenprinz davon
Und bittet um Vergebung.
Fröhlich blubbernd versinkt er lächelnd...
Ton um Ton wird alles grau.
Ton um Ton verstummt.

Märchenprinzen sterben schneller als erwartet,
Denn sie sind nur schön und fröhlich.
Manisch lächelnd fallen ihre Blicke zuckersüß.
Ton um Ton wird alles grau.
Ton um Ton verstummt.


Zinnsoldaten

Geopfert auf dem Altar derer, die sonst nur reden,
Keine Aussage treffen.
Aufgedunsen richten sie das Fest.
Nun kleiner Zinnsoldat, das Spiel heißt, überleben.

Die Schlacht ist die Arena.
Das Ende vorbestimmt.
Durch all jene,
Die dem blutigen Treiben zujubeln.
Menschlein erfreu dich an deiner bunten Uniform.
Irgendwann wir sie durchlöchert.
Und sicher nicht - vom Fraß der Motte...
Und sicher nicht - vom Fraß der Motte...
Und sicher...

Euphorisch berauscht,
Zieht in die Schlacht,
Singt und ruft das Grauen herbei.
Ihr seid der Stier der eurer Tuch,
Blutrot färben wird.
Ihr seid...

Geblieben sind die Tränen,
Der davon kam, verlor ein Teil,
Gemartert zieht der Verstand Bilanz und flieht.
Körper wurden zerrissen,
Verstümmelt zum Kruppel geboren.

Das Spiel geht weiter.
Die Schlacht ist die Arena.
Das Ende vorbestimmt.
Durch all jene,
Die dem blutigen Treiben zujubeln.
Menschlein erfeu dich deiner bunten Uniform.
Irgendwann wird sie durchlöchert.
Und sicher nicht - vom Fraß der Motte...
Und sicher nicht - vom Fraß der Motte...
Und sicher...


Kaltes Licht

Der Mond weiß allein mit seinem kalten Licht,
Die Welt in fahlem Schein zu zeichnen.
Allein das kalte Licht ergötzt den Mörder bei seiner Tat.
In seinem Schein seine Kinder rufen ihn,
Ihre Mutter, die ihrem Vater gleicht, eins sind.
Der Staub reflecktiert das gedachte Wort zu Licht,
Weißer Glanz der Wärme Armut schleicht sich in die Dunkelheit.

Mißbraucht vom bösen Zauber, hütet er die Nacht,
Welche tiefschwarz sein Licht gierig verzehrt,
Um den dunklen Mächten Schutz zu gewähren.
Das Unsichtbare bleibt erhalten nicht sichtbar,
Aber hier und dort hört man seinen kalten Atem geifern.
Gemengt mit Gedanken, die man besser nie gedacht,
In die Vergessenheit gedrängt,
Dort gelöst vom Wissen verwesen läßt.

Kaltes Licht...


Abseits des Lichtes

Die Dunkelheit findet nur abseits des Lichtes statt.
Erst dann konzentrieren wir uns auf jedes Geräusch,
Und sei es auch nur ein Laut der gar nicht existiert.

Ein altes Haus...

Das gealterte Mauerwerk arbeitet seit fast einem Jahrhundert an seinem Verfall.
Verworfene Strukturen der Bodenbretter geben Schritte preis,
Deren Ursprung längst verstorben ist.
Doch die verschobenen Holzkonstruktionen speicherten die Energie des Damals.
Verstärkten sie bis zum heutigen Zeitpunkt des Lautsprunges.
Begleitet vom Spiel der Mäuse vom Nagen der Zeit und dem lautlosen Schrei des Alterns.
Ein friedliches Stilleben in Schwarz - Weiß
In dieser Bewegungslosigkeit wandert die Vergangenheit zurück zum Ursprung...

Überrascht vom beschleunigten Schritt der Nacht,
Durchnäßt von dunklen Wolken, erreiche ich ein altes Haus...
Ungewiß schmeckt der erste Schritt durch die morsche Pforte.
Das verletzte Wesen ändert seinen Lauf.
Die Natur ist wütend.

Das Tasten in der Dunkelheit führt zum Ziel,
Ein weicher Ort zum Schlafen...
Mein Körper freut sich auf die Ruhe,
Meine Sinne vernebeln, gleiten aus meiner Hand...

Nur ein Lichtkegel folgt ihrer anmutenden Gestalt.
Sie lächelt immer...
Das Lachen ist ihr Begleiter und ihr Freund -
Bei Schmerzen,
Bei Angst,
Bei Freude.
Wenn andere sie beobachten,
Sie nicht alleine ist.
Doch das Lächeln stirbt in dem Augenblick,
Wenn die Scheinwerfer die Augen schließen.
Sie keiner sieht...

Dann altert sie um Jahre
Und trennt sich von ihrem Freund...
Ihr Leben ist der Tanz.
Ihre Gefühle werden diktiert von einem Orchester,
Regiert von einem Dirigenten,
Welcher sich den Zeichen des Papiers fügt.
Die Ballarina tanzt schneller als ihr Schatten,
Und lächelt abseits ihrer Gefühle.

Starke Männerarme heben ihre Gestalt in den Himmel empor,
Doch sie berühren nicht ihre Haut.
Grazil - synchron und angespannt,
Gleiten Mann und Frau ästhetisch durch das Bild Musik.
Wenn der letzte Ton verstummt,
Bleibt die kleine Tänzerin allein zurück und lächelt bis...

Ich reiße aus
Meine Sinne sind hellwach und suchen.
Jeder Laut wird kontrolliert.
Gleichzeitig entkleidet er lichtlos meine Nerven,
Bis die Angst unbekleidet friert,
Einen Wachtraum halluziniert und im Dunkel endet.

Naturgemurmel formiert sich zu Stimmen,
Dem verdrängten Beifall meines Traumes?
Die Aussage bleibt verborgen,
Gelähmt warte ich auf das erste Licht,
Welches die Dunkelheit verdrängt
Und lauernd zurückgelassen wird
In schattigen Winkeln ohne Glas.

Zurück bleibt das alte Haus,
Stiller Zeuge und Ursprung dieser Nacht.
Keiner applaudiert,
Keiner sieht ihre Schönheit,
Keiner sieht ihre Tränen,
Keiner sieht ihre Maske, die zerbricht...
Sie tanzt weiter...
Bis der Vorhang zum letzten Mal fällt.


Die Form

Eingebrochen im See der Träume,
Exzentrisches Eis zerteilt das Opfer.
Weiß wird Rot, getränkt vom Leben,
Aufgesaugt - getrennt vom Festen.
Unsichtbar ist die Tiefe,
Gähnend begrüßt sie meine Ankunft
Im Reich des Schönen,
Scheinbar Schönen...

Unendlich währt die Reise.
Allein das Jetzt ist existent,
Vergangenheit vorbei,
Zukunft nicht greifbar.

Doch nicht zu halten, schwebt sie ein.
Die zweite Form verläßt mich,
Die dritte wird zur zweiten,
Verteilt sich regelmäßig im Raum.
Allein die Form, welche nicht begreifbar,
Unendlich schwebt davon.
Gefesselt am Jetzt,
Allein diese Form währt ewig...

Die Form, Form, Form...


Nacht der Tausend Worte

Und ich kann kein Wort weiterdenken,
Denn ich habe Angst vor dem Morgen.

Die Körper spiegeln sich im erdachten Wasser,
Eines fliehenden Meeres.

Der Schatz verborgen im rosa Fleisch der Auster,
Die Unschuld liegt im Verlangen.
Verborgen die Suche nach Früchten,
Lust auf Reinheit und Unschuld.

Nacht der Tausend Worte...

Geruch und Haut verdrängt durch Worte.
Im Schattenspiel offenbart das Wort
In wenigen Augenblicken ein ganzes Leben.
Kein Blick durch das Fenster möglich.

Darf ich reden, Dich berühren,
Meine Zunge nicht nur Worte formend,
Mir Deinem Körper spielen lassen,
Gemeinsam im fliehenden Wasser schwimmen
Ohne bitter zu ertrinken.

Akzeptiere das Unverständnis als
Unvollkommene Geste der Unschuld.

Die Zeit steht still.
Das Korn vergißt für einen Moment zu fallen.
Soll ich Dir helfen mich wegzuschicken,
Dir helfen mich zum Bleiben zu bewegen?
Mehr vom Zungenspiel umrahmt,
Von feuchten Lippen geben,
Deren Küsse selbst falsche Tränen trocknen,
Stillt und weckt Verlangen...
Und ich kann kein Wort weiterdenken,
Denn ich habe Angst vor dem Morgen.

Nacht der Tausend Worte...


Marionetten

Kabelwesen weißes Licht
Puppeneifersucht am Faden zieht
Die Macht!
Kabelwesen weißes Licht
Puppeneifersucht am Faden zieht
Die Macht!
Ohne Weitsicht blind vor Lust,
Die trüben Augen sehen nur
Im Traum gewünschte Welten.
Ohne Weitsicht blind vor Lust,
Die trüben Augen sehen nur
Im Traum gewünschte Welten.

Einmaligkeit als Zweisamkeit...
Einmaligkeit als Zweisamkeit...

Nie gewonnen,
Nie erreicht,
Herbeigesehnt gezerrt...
Vollbracht?

Geschwister Macht
Von Macht getäuscht...

Marionetten - Kabelwesen.
Fleisch gesteuert,
Fleisch zur Macht.

Kabelgliedrig eingebunden,
Unsichtbar der Steuerdraht...
Du bist bereits ein Teil der Macht!
Kabelgliedrig eingebunden,
Unsichtbar der Steuerdraht...
Du bist bereits ein Teil der Macht!
Ein Teil der Macht...

Geschwister Macht
Von Macht getäuscht...


Kondition:Macht!

Der König ist tot...

Auch ich war ein Mensch.
Als Rebell strebte ich zur Macht,
Jetzt habe ich die "Kondition:Macht!" erreicht.
Der Spiegel reflektiert das, was ist,
Nicht das, was muß

"Kondition:Macht!"

Manipuliert Macht? Ist Macht manipuliert?

"Kondition:Macht!"

Ist Macht böse? Ist das Böse Macht?
Ist Macht Glaube? Ist Glaube Macht?
Ist Macht Wissen? Ist Wissen Macht?
Ist Macht Alles? Ist Alles Macht?

"Kondition:Macht!"


Die Brut 2000

Und der Tag wird kommen...

Die Zukunft verborgen,
Verführt zum Haß,
Geführt zum Richtblock,
Die Axt als Achse überreicht.

Und der Tag wird kommen...

Erst die, die anders sprechen,
Dann die mit dunklem Haar,
Dann die, die anders denken,
Schließlich die eigene Art - Die Brut!

Und der Tag wird kommen...
Die Brut...

Marschiert durch Blut,
Mißbraucht - branntmarkt das Symbol,
Brüllt euphorisch - unwissend.
Wozu denn denken?

Und der Tag wird kommen...
Die Brut...

Der Führer bleibt verborgen,
Unbefleckt der weiße Kragen.
Er wartet um zu richten,
Auch Röhm war nur
ein brutaler Schläger.


Sitz der Gnade
(перевод и обработка песни Ника Кейва "The Mercy Seat")

Es begann als sie mich holten,
Als ich zum Tod verurteilt ward.
Du weißt, ich bin fast schuldlos
Und ich wiederhole:
Ich habe keine Angst vor dem Sterben.

Ich nehme Objekte und deren Umgebung war
Eine zerlumpte Tasse, ein verzerrter Mop.
Das Gesicht von Jesus in meiner Suppe,
Das unheimliche Essen, gebracht auf dem Wagen
Mit bösen Rädern...
Ein krummer Knochen in meinem Essen...
Alle guten oder nicht guten Dinge...

Der Sitz der Gnade wartet lächelnd...
Und ich denk' mein Kopf verbrennt.
Und ich sehne mich die Wahrheit,
Erprobte Wahrheit hinterlassen...
Auge Auge - Zahn um Zahn...
Doch sagt ich die Wahrheit,
Als ich die Angst vor dem Sterben
Längst vergaß...

Die Zeichen interpretieren und kategorisieren.
Ein schwarzer Zahn, ein scharlachroter Nebel.
Die Wände sind böse - schwarz...
Es ist der kranke Atem der mir folgt,
Es ist der kranke Atem der mir folgt,
Es ist der kranke Atem der sich hinter mir versammelt hält...

Ich höre Geschichten aus der Kammer...
Wie Christus in der Krippe geboren wurde,
Und ich hörte, er wie ein zerlumpter Fremder
Auf dem Kreuz gestorben ist,
Und darf ich sagen, daß es irgenwie paßt...
Er war Schreiner von Beruf
Oder zumindest wurde mir das gesagt...

Wie meine gute Hand,
Habe ich "böse" auf ihre Bruderfaust tätowiert...
Die dreckigen fünf,
Sie hab'n nichts dagegen gemacht!

Im Himmel ist ein Thron aus Gold,
Die Arche seines Testaments ist verstaut.
Ein Thron, wie ich hörte,
Der Geschichte enthält.
Hier unten ist er aus Holz und Draht,
Und mein Körper steht in Flammen.
Und Gott ist nie weit weg,
Und Gott ist nie weit weg!

Ich setz' mich auf den Sitz der Gnade.
Mein Kopf ist rasiert, mein Kopf ist verdraht.
Und wie die Motte die versucht in das grelle Licht zu fliegen,
Trete ich aus dem Leben,
Nur um mich im Tod für eine Weile zu verstecken.
Und übrigens habe ich niemals gelogen...

Meine tödliche Hand nennt sich B.Ö.S.E.
Trägt einen Trauring der G.U.T. ist.
Es sind leidende Fesseln,
Die das rebellische Blut packen.

Der Sitz der Gnade wartet lächelnd...
Und ich denk' mein Kopf verbrennt.
Und ich sehne mich die Wahrheit,
Erprobte Wahrheit hinterlassen...
Auge Auge - Zahn für Zahn...
Doch sagt ich die Wahrheit,
Als ich die Angst vor dem Sterben
Längst vergaß...

Der Sitz der Gnade...


Iphigenie

Sommer 1943.
Das Land vernarbt.
Das Leid wütet gnadenlos.
Der Hunger führt das Zepter.
Nicht alle Kinder leben sorgenlos.
Nur Iphigenie tanzt den ganzen Tag.
Sie lacht gerne, liebt den Tag,
Jeden Tag bis zu jenem Tag.
Einem Freitag...
Wo ist Iphigenie?
Wo ist Iphigenie?
Keiner hat das Kind gesehen.
Wo ist Iphigenie?
Sie spielt so gerne ganz allein.
Wo ist Iphigenie?
Die Mutter ruft vergebens.
Wo ist Iphigenie?
Umsonst sucht auch der Bruder.

Wo ist Iphigenie?
Wo ist Iphigenie?
Wo ist...

Ihr Vater schickte sie in die Metzgerei am Ort
Zu einem freundlichen kleinen dicken Mann.
Und er möchte kleine Mädchen,
Besonders ihr Fleisch.
Es war so zart und Schlachtvieh war rar.
Das Messer blitzt und tranchiert
Geschickt und lautlos ihren kleinen Körper,
Stück für Stück,
Trennt er das Fleisch von den Knochen.

Es ist Sonntag Mittag.
Die Familie sitzt zu Tisch.
Der Braten riecht gar köstlich.
Die Mutter sitzt am Tisch...
Der Vater sitzt am Tisch...
Der Bruder sitzt am Tisch...
Der Metzger weiß von nichts...
Der Braten mundet köstlich...

Wo ist Iphigenie?
Wo ist Iphigenie?
Wo ist...


Nicht bleibt wie es war
(перевод и обработка песни "Shockwaved" группы Still Silent; автор оригинального текста - Peter Spilles)

Ein Vogel fliegt vorbei - 2500 Fuß
Etwas fällt - himmelblau
In Zeitlupe - lieblich und friedlich
Alles in Zeitlupe

2000 Fuß - eine Stadt
Sekunden werden Minuten
Die Zeit wartet
Tick tack tick tack
Sie fällt

1500 Fuß - zwei Menschen
Ein letzter Kuß
Zündung

Now!
Nicht atmen - ein Farbenspiel
Ein greller Blitz - alles vergessen
Tausend Seelenfackeln
Die Hitzewelle - tödlich glutheiß
Ein Atemzug - ein heißer Atemzug
Giert nach
Stille

Es scheint die Erde bebt
Ganz langsam - ganz taub
Alles geschmolzen
Die Zeit stolpert - bleibt kurz stehen
Ein Haus - ein Paar im Tod vereint - verkohlt
Ein Schrei betäubt - stürzt ins Dunkel
Tick tack tick tack

Now!
Shockwaved
Nichts bleibt wie es war
Geschosse aus Stein und Hagel aus Glas
Zerschneiden durchbohren
Häuser stürzen
Begraben was war - begraben was war

Stille
Schwarze Wolken
Vergangenheit und Gegenwart zersetzen sich
Keine Worte - keine Stimme
Und kein Wissen
Die Zukunft fehlt...

Now!
Ein Feuersturm - alles brennt
Selbst was nicht brennen dürfte
Es brennt
Ein Glück zu sterben
Die Fratze des Teufels
Die Macht der Menschlichkeit
Ist jetzt vorbei

Now!
Shockwaved
Nichts bleibt wie es war
Geschosse aus Stein und Hagel aus Glas
Zerschneiden durchbohren
Häuser stürzen
Begraben was war - begraben was war
Stille


Himmelgrau

Die Dummheit gedeiht auch im Vakuum.
Wenn niemand fragt,
Bleibt die Zukunft stumm.

Die Dummheit gedeiht auch im Vakuum.
Wenn niemand fragt,
Bleibt die Zukunft stumm.

Vorbei das Spiel mit toten Träumen.
Himmelgrau - verstecktes Licht,
In sich, an sich, um sich sehen,
Sich bewegen.

Himmelgrau!

Arrogantes Egodenken,
Vorbild leugnen,
Geist verrenken,
Sprache spucken,
Eigen nennen,
Doch eigentlich nur anderer Worte
Sinnzerkaut erbrechen.

Himmelgrau!

Lichtbild - Paßbild,
Kopfschuß als Dokument,
Für ein paar Jahre Existenz,
Hier der Beweis,
Die legitime Antwort
Auf den Fragenkatalog,
Dem Zöllibat der Allmacht.

Kain ist schwul und Abel tot.
Wär es so würde keiner denken,
Den Geist verrenken,
Auf Menschen spucken,
Im Todeskarrussel entzückt beschützen.

Ich bin das Fleisch
Auf dem Gabentisch der Macht.

Himmelgrau!

Magdalena schlief mit Gottes Sohn,
Die Kirche weltlich
Frechheit siegt,
Nur durch Duldung
Gewalt triumphiert,
Ein Endlosschweigen,
Das Vielkopfbiest, daß das Hirn zerfrißt.

Haß ist nichts als ein
Schreiendes Gehirn,
Das von Schmerzen gelähmt,
Das Denken vergißt
und das Wissen erstickt.

Im Himmelgrau
Tanzen schwangere Engel,
Mit toten Körpern
Mi&szligbrauchter Kinder.

Der Tod ist nur eine wahre Lüge.
Der Tod ist nur eine Ware - Lüge.

Himmelgrau!

Ich bin das Fleisch
Auf dem Gabentisch der Macht.

Himmelgrau!

Der Tod ist nur eine wahre Lüge.
Der Tod ist nur eine Ware - Lüge.

Himmelgrau - tot!


Kopfstimme

Mein Fleisch bittet darum.
Mein Verstand leugnet.
Meine Kopfstimme liegt über meinem Wissen,
Wiegt es sanft auf den Wogen 1000 toter Traumsequenzen.

Das lenkt ab,
Manipuliert - filtert - polarisiert.
Sprich: fälscht!
Lügen erleichtern den Augenblick,
Aber verschlammen die Zukunft.

Mein Fleisch bittet darum.
Mein Verstand leugnet - noch.
Meine Kopfstimme redet wirr.
Ich versuche sie zu ignorieren.
Ich weiß, daß ich existiere...
Oder glaube ich zu leben?

Denken ist manchmal so,
Als würde man Wissen auskotzen.
Erfahrung macht manchmal blinder
Als zwei ausgestochene Augen.

Mein Fleisch bittet darum.
Mein Verstand stimmt zu.
Meine Kopfstimme wirkt irgendwie erklärend.
Wie lange noch?
Ich habe wirklich keine Ahnung,
Nur ein Ende ist abzusehen.
Das Papier ist begrenzt gewesen.
Der Tisch, der Stuhl, das Bett, die Wand -
Voller Wissensflecke.

Mein Fleisch bittet darum.
Mein Verstand wird leiser.
Meine Kopfstimme beginnt, mich zu überzeugen.

Mein Fleisch bittet darum.
Mein Verstand wirkt unecht.
Meine Kopfstimme verteidigt meinen Verstand
Für seine Lügen.

Mein Fleisch bittet darum.
Mein Verstand schweigt.
Meine Kopfstimme schlägt meine Haut vor.

Nicht schneiden,
Schreiben dem Schmerz,
Die Worte schenken.

Mein Fleisch bittet darum.
Mein Verstand schweigt.
Meine Kopfstimme diktiert
Und die Schatten nehmen Gestalt an.
Das Schattendenken küsst meine Haut.
Kehrt zurück, kehrt zurück, kehrt zurück...

Mein Fleisch bittet darum.
Mein Verstand schweigt.
Meine Kopfstimme wird lauter.


Tage des Wassers

Ein Engel saß am Ufer.
Ein Flügel war gebrochen,
Und der Engel weinte,
Denn er konnte nicht zurück.

Und so saß er Tag um Tag,
90 Nächte schlief er nicht.
Die Bäume schüttelten ihr Laub
Und der Frost hielt Einzug,
Ließ das Wasser erstarren.
Der See wurde zum Spiegel
Und die Tränen des Engels
Gefroren noch im Fallen,
Zersprangen auf dem Eis.

Ein zweites Wesen blieb am See zurück,
Als der Frost das Wasser stahl.
Es war ein schwarzer Schwan.
Er hörte die Tränen des Engels,
Wie sie als Eiskristalle zersprangen.
Der Schwan war alt und er wußte:
Es war sein letzter Winter.
Er hatte Mitleid mit dem Engel
Und gab ihm einen seiner schwarzen Flügel.

Zum Abschied küsste der Engel den Schwan,
Und diesmal gefroren seine Tränen nicht.
Der Engel flog davon.
Der Schwan blieb zurück.
Er weinte nicht, denn er wußte,
Daß er als Teil des Engels ewig leben würde.
Und fortan alles, was sich bewegt,
Niemals mehr zu Boden sinken müsse.
Und er konnte den Engel sehen,
Wie er immer höher flog,
Die Tage des Wassers
Hinter sich zurück ließ.


Zwischenzeit

Wann beginnt man eigentlich
Sich für seine eigene Vergangenheit zu interessieren,
Dann, wenn man etwas erreicht hat,
Oder in dem Moment, in dem man glaubt,
Sich im Ideensturz befindlich scheitern zu sehen?

Eine Freifallübung der Seele unbeschadet überstehen.
Nur leicht geprellt, doch bleibend schmerzhaft.

Was ist is wohl für ein Gefühl, zufrieden zu sein?
Im kleinen, unscheinbaren Glück gefangen,
Einen Moment lang oder ohne Maß.
Welche Gedankenlücke steckt hinter der Ambition der Zukunft,
Die eigenen Gene zu verweigern, nicht aber die geistigen Kinder?
Was lebt worin weiter?

Ruhelos entwickelt sich eine Suche zu einer Sucht,
Die alles frißt, vieles zerstört
Und jede Form von Unschuld raubt.
Man verliert die Unschuld nicht mit der Geburt,
Sondern indem man lebt.
Hat Intelligenz etwas mit Glück zu tun?

Monatelang arbeiten, dann bemerken,
Daß vieles unverstanden bleibt.
Dem Ursprungsgedanke fehlt es an Worten.
Man wird zur Gedankenhure,
Gibt die Seele preis,
Prostituiert sich ohne Not.

Ein Bedürfnis - Mitteilsamkeit -
Nicht an einer Idee ersticken zu müssen.
Vom Urgedanken zur komplexen Geschichte
Entwickelt sich der Weg zum Ziel.
Gemeinsam spielen.
Minuten aus der Zeit auslösen.

Frei sezierte Freiheit.
Der letzte Vorhang schließt
Den Blick nach draußen.
Existiert ein tiefer Sinn?
Berechtigt er zu neuen Fragespielen?

Wie ein vom seinen Kind enttäuschter Vater,
Leben investiert,
Hoffnung korrumpiert,
Nur wenig stimmt noch fröhlich.
Vom Leben nichts erwarten.
Eigene Träume scheitern sehen,
Trotzdem weiterspielen.
Den Blick für das Wesentliche verlieren.
Nur dann...
Im Ansatz gescheitert,
Aber doch noch nicht verloren.


Glasgarten

Wie aus Wasser geformt - erstarrt,
Gesprungenes Lachen,
Elfenstimmen eilen
Zwischen den klaren Blüten,
Eisgleicher Äste,
Glashafter Bäume...

Ob sie wohl Leben?
Sie werfen keine Schatten,
Nur gebrochene Bilder...
Sie fächern das Licht.

Im Glasgarten verirrt sich die Zeit,
Und bleibt als Moment erhalten...
Und bleibt als Moment erhalten...

Nur der Mond weist den Weg zum Morgen,
Erlaubt der Sonne einen neuen Tag,
Im Glasgarten küßt der Mond das Licht.

Ganz aus Glas,
Kalt wie Eis,
Jeder Baum im Glasgarten.
Blüten rein wie Kristall
Jeder Ton im Glasgarten.


Nichts duftet
Geschmacklos die Frucht.
Wer genießt sie?
Schön...
Im Kristallglas
Verirrt sich das Licht.

Nur der Mond weist den Weg zum Morgen,
Erlaubt der Sonne einen neuen Tag,
Im Glasgarten küßt der Mond das Licht.

Ganz aus Glas,
Kalt wie Eis,
Jeder Baum im Glasgarten.
Blüten rein wie Kristall
Jeder Ton im Glasgarten.


Die Blumen wirken spröde und starr.
Wem sollte ich diese Kälte schenken?
Die Leere zumuten,
Unmöglich sie zu pflücken.
Sie zerspringen in abertausend Splitter,
Winzige Kristalle, die im Fallen singen,
Den Atem der Elfen begleiten an jedes Ohr,
Das bereit ist zu hören.

Und die Blumen wirken spröde,
Ganz unmöglich sie zu pflücken.
Sie zerspringen in Kristalle
Die im Fallen leise singen.
Und der Atem sanfter Elfen,
Die den kleinsten Ton begleiten
Durch den Garten ganz aus Lichtern
An dein Ohr, wenn du denn hören kannst.


Nur der Mond weist den Weg zum Morgen,
Erlaubt der Sonne einen neuen Tag,
Im Glasgarten küßt der Mond das Licht.

Ganz aus Glas,
Kalt wie Eis,
Jeder Baum im Glasgarten.
Blüten rein wie Kristall
Jeder Ton im Glasgarten.


Wie alles - klar - glatt - rein...
Wie alles - klar - glatt - rein...

Ganz aus Glas,
Kalt wie Eis,
Jeder Baum im Glasgarten.
Blüten rein wie Kristall
Jeder Ton im Glasgarten.



Der Eissturm

Und aus Regen kalt erwacht der Eissturm,
Diamantenstaub krönt die Nacht
Zu einem kalten Tränenmeer.

Allein - zu zweit...
Allein verlassen...

Kinderträume sterben,
Erwachsene leugnen ihre Zukunft.
Der Traum erfriert durch bitterkalte Bittgebete.
Die wirre Jugend stiehlt so unbeholfen
Noch von Schuld befreite Küsse,
Von fremden Lippen, die nicht begehren,
Nur nach Abenteuer schmecken.
Kalt und feucht,
Das Naß gefriert
Ungestüm der Bruderkuß.
Zum Plus und Minus
Der Zeitenwende
Der Unschuld ungestüm beraubt.

Allein - zu zweit...
Allein verlassen...

Die Alten küssen abgeklärt,
Schmecken ohne Neuland zu erkunden.
Ihre Zungen warten auf den letzten Kuß
Im Auto, auf dem Wasserbett.

Allein - zu zweit...
Allein verlassen...

Ein letztes Mal
Der Eissturm fesselt,
Ermahnt zur Stille,
Verführt die Jugend.
Sie sich selbst
Starre Ruhe erklärt den Morgen.
Den die Nacht aus Sturm und Eis gebar.

Ein totes Kind,
Ein fast noch Kind,
Das verloren schien.
Ein zartes Paar,
Vier Alte, keine Greise - wissen nichts.

Sie küssen nicht,
Sie lieben nicht,
Sie schweigen...

Allein - zu zweit...
Allein verlassen...

Eissturm...
Die Sonne taut nur eins - das Eis.
Der Sturm, er schläft.


Machtküsse

Ist es nicht das, was dir
Verloren ging?
Wärme, ein wenig Wärme,
Verlist dessen, diese Temperatur,
Egal, ob glühend oder zart,
Wahrzunehmen, mit deiner Haut
Neues zu erkunden.
Feindlich, freundlich, mächtig...

Wer hält das Zepter
Macht in seiner Hand?
Die Sonne? Wind und Regen?
Deine Hand?

Wer hält das Zepter?
Macht in seiner Hand
Die Sonne? Wind und Regen?
Deine Hand?

Der Morgentau benetzt die Lippen,
Damit ihr Erwachen nach langer
Liebesnacht nicht allzu schmerzt.

Denn nur die Sehnsucht
Führt die Nacht.

Umschling mich nicht,
Stiehl mich nicht!..
Du darfst mich nicht berühren.
Ich bin kein Werkzeug, solange
Blinde Götter durch das Weltall
Stolpern, um mich zu suchen.

Laß mich dich weiterküssen.
Dir deinen Verstand rauben.
Gib mir ein wenig deiner Macht,
Folge meiner Macht.
Laß dich von meinen Machtküssen,
Von der Last des Denkens befreien,
Vergiß das Denken...

Schließe deine Augen und...


Rebell

Die Asymentrie der Spur verwirrt,
Verrät keinen gefaßten Entschluß.
Deine Schlacht Rebell
Ist ein Punkt fernab einer Flucht.

Einst stotternd im Wortlaut,
Spricht er heute im fließenden Wall die Gedanken aus,
Die einst seinen Geist zu sprengen suchten.
Wohin schreitet der Besiegte
Nach gestorbener Schlacht?
Die stummen Tränen
Verächtlich lachender Nähmäuler,
Wollen ihren Zauderstrom
Zu spuckendem Haß sich bäumen lassen,
Ringend und fesselnd dich Rebell erfassen.

Gleicht der Fisch dem Vogel,
Wenn er im fehlenden Naß leidet zu Staub?
Doch bevor der Rebell in der zaudernden Flut ertrinkt,
Muß erst Zorn und Schmerz,
Trauer und Lust, auch Freude tödlich wirken?
Wie weiterleben, wenn er im Lachen ertrinkt?
Einen stotternden Vogel überleben?
Wenn er denn vom Schuppentier erlernt zu schweben
In Luft und Wasser?
Stotternd in Trauer ertrinkt,
Lustvoll lachend im schmerzlichen Zorn,
Ertränkt von nassem Atem.

Rebell besiege die,
Die besiegt werden müssen,
Bevor sie dir deinen Atem stehlen.
Es ist deine Schlacht.
Keiner kann dich stützen.
Denn nur du allein vermagst es,
Deine Zunge siegreich zu führen.

Es ist deine Schlacht

Scheinbares Weiß ist dein Feind,
Im verborgenen Schwarz wartet ein Freund.
Im Schwarz dürrt kein Fisch,
Kein Vogel ertrinkt,
Und keiner sieht deinen Augenblick Rebell.
Auch wenn Schmerz dich überkommt,
Die Lust verwirrt,
Der Zorn dich rasen läßt,
Dich Trauer zart berührt,
Dich einfach lachen läßt und schreit:
Meide Weiß Rebell.
Denn nur der Punkt auf weißer Fläche
Spricht von deiner Gegenwart.

Und irgendwo im weißen Feld
Wartet eine Stimme, die dich besser kennt
Als jeder Freund, die dir Sprache gab,
Ein Herz, das schlug, dich nie verließ
Auch wenn sie nicht verstand.
Eine Frau -
Ein Teil von ihr bist du.


Das Ende 1989

Wenn das Meer sich blutrot färbt,
Der Himmel von schwarzen Wolken bedeckt ist,
Und die Vögel aufgehört haben zu singen,
Weil ihre Kehlen vom Öl verklebt wurden...

Wenn im Osten mutierte Monster geboren werden,
Wenn der Winter zum Sommer wird und die Felder vedorren,
Die Erben des Dritten Reichs wieder mächtiger werden...
Dann! Dann hat das Ende der Zeit begonnen,
Und der Teufel die Schlacht gewonnen.

Dämme werden brechen und eure Kinder ertränken.
Feuerstürme werden eure Häuser lodernd niederbrennen.
Durch Krankheiten werden Millionen krepieren.
Die Pflanzen werden vergiftet und ungenießbar werden.

Die Luft wird ätzend wie Säure eure Lungen zerfressen.
Eure Kinder werden als häßliche Mutationen geboren.
Die Sonnenstrahlen werden Geschwüre wachsen lassen.
Ihr werdet langsam bei lebendigem Leib verfaulen.

Stürme werden monatelang die Erde verwüsten.
Unter den Trümmern, der beben, werden Tausende begraben.
Parasiten werden sich in euren Körpern einnisten.
Ratten und Schaben werden eure Wunden lecken.


Ich liebe Schmerzen

Seit Tagen liege ich im warmen Wasser.
Ich fühle mich wohl warm und leicht.
Meine Haut löst sich ganz leicht vom Fleisch.
Ich genieße den Schmerz...
Er tut gut...

Ich liebe Schmerzen...
Warum nicht?

Das Wasser ist tiefrot.
Das Rubinauge beobachtet mich.
Kleine Blutgerinsel treiben in meinem Saft.
Der Schmerz ist fast unerträglich,
Aber ich will mehr,
Noch mehr Schmerzen spüren.

Ich liebe Schmerzen...
Warum nicht?

Inzwischen kann ich nicht mehr sitzen.
Meine Muskeln liegen frei.
Zitternd bebt mein Körper brennend,
Neben der Wanne türmt sich die Haut.
Streifen um Streifen mehren sich meine Schmerzen.

Ich liebe Schmerzen...
Warum nicht?

Das rohe Leben liegt hüllenlos frei,
Schutzlos dem Schmerz ausgeliefert.

Meine Liebe zum Schmerz, sie wird mir irgendwann das Leben kosten, aber...

Ich liebe Schmerzen...
Warum nicht?


Koma

Ich spüre die Berührung,
Nehme Worte wahr,
Sehe den Wechsel der Situation,
Kann denken völlig klar.

Der graue Schleier hat sich längst gehoben,
Das Neonlicht schmerzt Tag und Nacht,
Der Wechsel ist nicht wahrnehmbar.

Der Versuch ein Wort zu formen schlägt kläglich fehl.
Die Lippen können nicht gehorchen,
Sie erhalten keinen Befehl.

Die Schwelle zum Nichts,
Gefesselt am Jetzt,
Es erwartet dich.
Koma!
Die Schwelle zum Nichts,
Gefesselt am Jetzt,
Es erwartet dich...
Koma!

Keine Faser meines Körpers setzt ein Signal.

Kein Wort verläßt meinen Mund.
Keine Geste zeigt mein Leben.
Die Absicht bleibt verschlossen
In meines Körpers Grab.
Ein Grab, das lebt
Mit einer Seele, die stirbt.
Lebendig begraben im eignen Fleisch
Das Bewußtsein vorhanden.

Die Maschinen funktionieren gut.
Sie erhalten das Leben,
Erleichtern das Atmen,
Aber nicht das Sterben.

Das Leid bleibt erhalten,
Die Schmerzen auch,
Denn niemand weiß von diesem Schmerz.
Nur ich...
Doch ich kann nicht schreien,
Auch nicht weinen,
Nur leiden...
Das Bohren oder Brennen...
Das Klopfen oder Schneiden...

Nein, ich darf nicht weinen,
Ich darf nur leiden...

Die Schwelle zum Nichts,
Gefesselt am Jetzt,
Es erwartet dich...
Koma...

Die Schwelle zum Nichts,
Gefesselt am Jetzt,
Es erwartet dich...
Koma...

Die Maschinen funktionieren gut.
Sie erhalten das Leben,
Erleichtern das Atmen,
Aber nicht das Sterben.


Gewaltberechtigt?

Gedeiht Gewalt als Form der Macht
Gewaltberechtigt - zornenfacht
Schneiden Klingen tiefe Wunden
Reißen Haken Fleisch entzwei
Kobaltblau geschnürte Haut
Pergament gespannt - bereit?
Ein sanfter Schlag, dann platzt der Leib
Oh welch Schmerz beglückt die Zeit
Himmlisch frei - sadistisch klein
Alles ist Gewaltbereit
Empfänglich für manch dunklen Trieb
Küß mich - Nicht nur auf den Mund!
Leck das Salz von meiner Haut...
Pssst - beweg dich nicht!

Lieblich zart das Kind allein
Will ein Onkel bei dir sein
Geschickt entblößt er sich - das Kind
Und spielt ein Spiel - das Doktorspiel
Auch Vater Staat hat euch alle lieb!
Die Unschuld stirbt nicht nur im Krieg
Beim ersten Mal - Unendlich quält
Kein Befehl - die fremde Lust
Das Kind - den Sohn - der Sieg - die Lust
All die Söhne ungefragt
Nacht um Nacht und Schlacht für Schlacht
Keine Träne löscht den Schmerz
Nur fremder Schweiß begrüßt die Nacht
Gewaltberechtigt?
Der Staat mißbraucht die großen Knaben
Der Onkel küßt die kleinen zarten.


Fleischschuld

Auch wenn dieser Raum sicherlich schon unzählige Schreie beheimatet hat,
So sind es immer wieder die wimmernden Laute von Kindern,
Die das Grauen, der bei der Bestrafung anwesenden Zeugen,
Geistig überwuchern.

Kleine Finger umfassen vorsichtig das dreieckige,
Rasierklingenscharfe Messer und treiben es in das eigene Fleisch.
Jedes Kind versucht zuerst sich schonend zu bestrafen,
Doch das Gesetz fordert immer die korrekte Einhaltung
Des Tributes an eigenem Fleisch.

Was zählt ist jene blutige Masse bestraften Lebens,
Welches auf der Waage zu Protokoll genommen werden kann.
Schürfwunden wiegen nichts,
Nur rohes Fleisch, Haut, Knochen und Fettgewebe gelten als Sühneopfer.
Je schwerer die Tat im Angesicht der Staatsgewalt,
Um so tiefer muß der Delinquent
Die Dreiecklinge in den eigenen Körper treiben.

Die Selbstverstümmelung ist neben unterschiedlichen Formen
Der Todesstrafe, die einzige Form der Sühne.
Egal ob Mann, Frau, Kind oder Greis, das Gesetz trifft jeden.
Bei Diebstahl von Lebensmitteln, oder Konspiration ist die Fleischsühne oft so groß,
Daß der Verurteilte an seinem eigenen Körper Amputationen vornehmen muß.

Es ist schon ein bizarrer Anblick,
Wenn Kinder ihre kleinen Ärmchen vom Körper abtrennen
Um für ein gestohlenes Stück Brot oder eine Konserve Obst zu sühnen.
Schon so manch Zwölfjahriger mußte mit seinen Unterschenkeln
Für eine unbedachte Äußerung auf dem Hof
Einer Erziehungsanstalt bezahlen.

Gerechte Schreie gab es nur selten,
Denn eine Schuld nachzuweisen fiel den Behörden viel leichter,
Als es den Delinquenten möglich war,
Ihre Unschuld zu beweisen.

Die Gesellschaft wollte Sühne,
Und viele Menschen genossen es sogar,
Den Bestrafungen beizuwohnen.
Bei Kindern mußten die Menschen fast immer gezwungen werden,
Der Tilgung der Fleischschuld beizuwohnen.
Die Menschen betrachteten lieber die blauen Bilder,
Die das Grauen mundgerecht und steril frei Haus lieferten.

Eine kleine Hand, ein zartes Bein,
so schneidet Stahl das Fleisch entzwei...

Und das alles in einer Gesellschaft von Vegetariern,
Denn Tiere gab es seit Jahrzehnten nicht mehr.
Es war irgendwann unmöglich geworden,
Mit der vorhandenen pflanzlichen Nahrung Mensch und Tier,
Das Überleben zu gewährleisten.
Das Tier starb vor dem Menschen aus,
Wer hätte das gedacht,
Doch ein Großteil der Bevölkerung trat dafür an seine Stelle.

Amputationen überlebten nur wenige Erwachsene und kaum ein Kind,
Es sei denn die eigene Mutter oder ein sonstiger naher Verwandter
Übernahm einen Teil der Fleischschuld,
Durch Verstümmelung des eigenen Körpers.
Eine Gnade, die aber nur Kindern und Schwangeren gewährt wurde.
Letztere konnten ihre Schuld auch mit dem Fleisch ihres
Ungeborenen Lebens sühnen.

Mit Schmerzen zu bezahlen?
Ein Stück Fleisch eigenhändig aus dem eigenen Körper schneiden.
Mit seinem Leib zu sühnen,
Für Taten oder auch nur ausgesprochene Gedanken.
Ethisch degenerierten Kindern gehen irgendwann
Mit ihrem Kollektiv zugrunde.

Eine kleine Hand, ein zartes Bein,
so schneidet Stahl das Fleisch entzwei...

Fleischschuld!


Entdeckung

-


Verführer und Verführte

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Das schwarze Wesen

Das Licht verschluckend schimmert,
Das schwarze Fell,
Als das Wesen aus der Zeit
Vor der Vergangenheit
Begann die Zukunft aufzufressen.
Trotz der volkommenen Ästhetik
War das Wesen nicht makellos.
Es schien die Angst vor den Schritten
Durch die Haare schimmernd rufen.
Die Warnung kam zu spät,
Die Warnung kam zu spät.
Geschmeidig schleicht der schlanke Körper
Durch das Vakuum der Nacht
Das Herbstlaub dämpft jeden Laut.
Die Stille ist abstrakt...
Die Stille ist abstrakt...

Das Medium der Leere hüllt und füllt
Den Raum gänzlich aus.
Die Luft weint Tränen.
Der Atem wird sichtbar.
Nur die Schritte verstummen ungehört,
Noch während der Geburt erstickt,
Noch während der Geburt erstickt...

Das Ziel verfolgt vom Wesen,
Flieht hoffnungslos in das Zeitgefüge.
Das schwarze Fell schluckt Raum und Zeit,
Perlend bleibt das Leben haften...
Perlend bleibt das Leben haften...

Das Schwarz funkelt immer böser,
Schritt um Schritt,
Schritt um Schritt.
Bitterböse schimmert hoffnungslos die Zeit.
Angeschlagen durch den Fraß des Wesens.
Wirbelt das Maß ziellos
In eine andere Dimension,
In eine andere Dimension...
Zurück bleibt der Verstand doch tot,
Vom schwarzen Wesen grausig zugerichtet.
Die klaffenden Wunden sezernieren geruchlos den Wahn,
Dann Haß, den Zwilling der Liebe,
Die nie geboren wurde, die nie geboren wurde.
Die Illusion bleibt nicht erhalten,
Wenn der Kadaver zerrissen wird.
Das schwarze Wesen wartet still auf nichts...
Das schwarze Wesen wartet still auf nichts...

Das Licht verschluckend schimmert,
Das schwarze Fell,
Als das Wesen aus der Zeit
Vor der Vergangenheit
Begann die Zukunft aufzufressen.
Trotz der volkommenen Ästhetik
War das Wesen nicht makellos.
Es schien die Angst vor den Schritten
Durch die Haare schimmernd rufen.
Die Warnung kam zu spät,
Die Warnung kam zu spät.
Geschmeidig schleicht der schlanke Körper
Durch das Vakuum der Nacht
Das Herbstlaub dämpft jeden Laut.
Die Stille ist abstrakt...
Die Stille ist abstrakt...