Henke: Seelenfütterung (2011)

Weil ich es kann

Tiefe Traurigkeit hemmt zu denken
Nachzudenken Vorzudenken
Alles Ende schwarz
Schwarz und leer

Weil ich es kann
Weil ich es will

Ich rede nur wenn ich möchte
Höre nur zu wenn ich kann
Versuche nur allein zu fühlen
Allein zu sein

Weil ich es kann
Weil ich es will

Bedient von Phrasendreschern
Lästerzungen und Fehlmenschen
Zurückgezogen im Ich
Lieber allein

Weil ich es kann
Weil ich es will

Man weint ohne Beobachter
Schweigt aus Zorn wartet
Wartet auf Veränderung
Sie bleibt aus weil ich glaube
Alles könnte sich ändern
Wenn ich will
Kann ich?
Will ich?
Will ich überhaupt?
Oder warte nur das Ende ab?

Weil ich es kann
Weil ich es will


Es ist Nacht

Es ist Nacht

Drogenbeschleunigt
Leberzersetzend
Freier Fall
Satte Friedenskinder
Der Schrecken ist virtuell
Die Bilder ähnlich
Nur der Geruch fehlt
Wer sagt, das Leben gerecht ist?
Wer sagt, das jeder lacht?
Wenn das Leben sich als Glücksfrass outet
Dann wird es Zeit
Zeit sich umzudrehen?
Davonzulaufen?
Zurückzuschlagen?
Verbal?
Körperlich?
Wer trotzt dem Schicksal?
Wer lebt weiter?
Welches Ich?
Auch ohne Seele?
Ohne Fühlen?
Tränenleer?

Es ist Nacht...

Ich bin blind
Aber fühle mich
Kann meinen Körper spüren
Wenn ich mein Muskeln anspanne
Ich liege im Bett
Allein
Nackt
Frierend
Aber ich fühle mich
Wie die Luft über meinen Körper streicht
Mich meiner Wärmer beraubt
Wie damals im Schnee

So nah der Leere
Und doch aufgestanden
Wie sternenklar es war
Damals
Es war kalt
Konnte mich spüren
Bin aufgestanden
Losgerannt
Es war Nacht
Aber ich konnte sehen und fühlen
Es ist wieder Nacht
Bin ich das der sich fühlt
Oder atme ich als Hülle

Es ist Nacht...

Schwarz
Leer
Einsam
Lass es schwarze Tulpenblätter regnen
Mich mit Duft bedecken
Ein Abschied?
Wie leicht die schwarzen Blütenblätter
Meine Haut küssen
Mich betäuben

Es ist Nacht...

Bleib ich diesmal einfach liegen?
Lass mich von einem schwarzen
Tulpenblütensturm begleiten
Begraben?
Solange ich lebe sicher nicht
Ich tanze mit dem Sturm
Einen schwarzen Reigen
Oder stillen Trost
Für meine oder deine Seele

Wer tanzt mit?

Es ist Nacht...
Wer tanzt mit...


Wer mich liebt

Wer mich liebt
Verletzt sich selbst
Tut sich weh
Um das zu fühlen
Was letztlich lebt

Die Welt macht mich traurig
Nicht ich mich selbst
Die Welt macht mich traurig
Nicht ich mich selbst

Wenn ich blute
Trinke ich Wein
Das Rot betäubt
Wie jener Schrei
Der still verletzt

Die Welt macht mich traurig
Nicht ich mich selbst
Die Welt macht mich traurig
Nicht ich mich selbst

Ich selbst mach mich traurig
Ich bin allein
Allein


Uhren essen

Uhren essen die Zeit
Fressen die Zukunft während der Geburt
Das erste Mal
Mit wem was wie
Unerheblich oder tief
Auch nur ein Zeitfraßopfer

Wir essen die Zeit

Uhren essen die Zeit
Fressen die Zukunft während der Geburt
Zwei Stunden nach Mitternacht
Das Dessert nach dem Sex
Entfallen und vergessen
Ein weiteres Zeitfraßopfer

Wir essen die Zeit

Uhren essen die Zeit
Fressen die Zukunft während der Geburt
Erinnerungsbulimie
Lichte Momente in der Demenzdämmerung
Alles andere vergessen
Die letzten Zeitfraßopfer

Wir essen die Zeit

Wir essen
Bevor man selbst vergessen wird...


Ohne Titel 1

Wenn Engel rote Haare hätten
Wenn Masken Narben glätten
Sich Regen auf die Erde stürzt
All das Lachen endet stumm

Der Wachtraum Rache irritiert
Glaube fällt, zerbricht, entflieht
Mit Engeln reden, die keiner sieht
Sich auflösen um Platz zu schaffen

Man weiß, man wird erwachen...

Für Menschen, die sich küssen
Märchenträume für Kinderohren
Das Flüstern eines Lichtschattens
Keine Angst beim schlafen

Man weiß, man wird erwachen

Tagträume mit Lachen umarmen
Gemeinsam Reigen tanzen
Im Nebel schwimmen
Sich niemals fürchten

Man weiß, man wird erwachen


Seelenfütterung

Träume füttern die Seele
Zwischenmenschliche Splitbox
Seelenschauer
Es fehlt der Abstand
Zu nah
Zu eng
Also Distanz
Besser
Schmerzärmer
Keine Nähe
Sicherheitsabstand
Emotional
Und körperlich
Hauptsache
Ich bleibe ich
Ein Wir nur auf Zeit
Wenn überhaupt
Ich fühle nur mich
Will nur mich fühlen
Seelenfütterung

Aber oft
Nicht einmal das
Nur Leere
Trübe Leere
Die ich mit Träumen fülle
Sie füttern meine Seele
Mit Illusionen
Sehnsüchten
Die Nebelleere als Leinwand
Die Seelenfütterung setzt ein

Im Schlaf oder dann
Wenn ich aufhöre
Aufhöre nachzudenken
So füttert mein Verstand
Sich selbst
Mit meiner Phantasie
Nur meine Haut fühlt für mich
Ich verfütter mich selbst

Autokanibalismus

Verzehre mich
Wie die brennende Kerze
Aber ohne Licht
Glaubte ich
Doch...
Man konnte mich lesen


Findenzoo

Ich suche mich im Findenzoo
An jenem Ort
Der nie entdeckt
Den Augenblick
Als Endloskuss
Genießt

Findenzoo
Obwohl geküsst
Allein man ist
Kein Streichelzoo

Fütter meine Seele
Mit deinem Mund

Mit deinem Mund
Der nichts verspricht
Nur zeitverkürzt
Mich atmend küsst
Ich suchte mich im Findenzoo
Und fand dein Ich
Im Streichelzoo

Fütter mich
Mit deinem Ich

Findenzoo
Obwohl geküsst
Allein man ist
Kein Streichelzoo


Ich protestiere

Gegen jene die nicht nachdenden
Wenn sie versprechen
Gegen Schwätzer die anders
Denken als schleimen
Gegen politische Unterhaltungen
Auf Privatebene
Diplomatie kotzt an im
Zwischenmenschlichen Dialog
Wer will schon den kleinsten
Gemeinsamer Nenner finden

Ich... protestiere...
Gegen jene die nicht denken
Gegen jene die vergessen
Um zu leben
Und am Ende nur
An Fragen ersticken
Ich... protestiere...

Ich nicht -
Ich will alles oder nichts
Sex kann auch alles sein -
Je nachdem was man will
Möchte - sich sehnt?
Zwei Fragen - eine dritte
Wird es nicht geben
Dann bleibe ich stumm -
Anonym - warte

Ich... protestiere...
Gegen jene die nicht denken
Gegen jene die vergessen
Um zu leben
Und am Ende nur
An Fragen ersticken
Ich... protestiere...

Ich... protestiere...
Vergeblich oder nicht - das...
Wir... protestieren
Die umgekehrte Beweislast?
Wir... protestieren
Ich bin es mir wert - ich zu sein
Wir... protestieren
Ich protestiere
Wir... protestieren
Lebe - sterbe - wann ich will
Wir... protestieren
Jetzt nicht -
Ich lebe - unter Protest

Ich... protestiere...
Gegen jene die nicht denken
Gegen jene die vergessen
Um zu leben
Und am Ende nur
An Fragen ersticken
Ich... protestiere...

Wir... protestieren...
Gegen jene die nicht denken
Gegen jene die vergessen
Um zu leben
Und am Ende nur
An Fragen ersticken
Wir... protestieren...


Manisch aggressiv
(Requiem für eine Szene)

Totentanz mit Weiberschranz
Neonkasper
Schwarzenstadel
Tanzen, klatschen
Miserabel

Winke Neon
Winke grün
Pink, orange und puschelgrün
Vodkakulturell beschrieben

Speedgedated
Nackt bestiegen
Ballermann im Clubbetrieb
Die Herde aufgeteilt
Auf Floors zum
Hüpfen, tanzen, wiegen

Manisch-manisch-manisch-
manisch-manisch-agressiv
Kranke Szenespiele

Das Schwarz bleibt schwarz
Egal ob Lack
Samt
Leder
Polyesterstangenware

Bekotzt
Egal
Sie leben
Ficken
Zappeln
Und
Belästern
Sich
Die anderen
Leben
Und von nichts
Getrieben

Manisch-manisch-manisch-
manisch-manisch-agressiv
Kranke Szenespiele

Totentanz mit Weiberschranz
Neonkasper
Schwarzenstadel
Tanzen, klatschen
Miserabel

Winke Neon
Winke grün
Pink, orange und puschelgrün
Vodkakulturell beschrieben

Speedgedated
Nackt bestiegen
Ballermann im Clubbetrieb
Die Herde aufgeteilt
Auf Floors zum
Hüpfen, tanzen, wiegen

Manisch-agressiv
Beschrieben
Tanzen sie
Einen Szenentotentanz
Begraben
Begraben
Begraben
Begraben


Vom A zum F
(In Memory Of Falk Lenn)

Zeit betäubt mich
Wischt die Tränen weg
Hilft mir, mich zu erinnern
An das, was schön war
An das was erlebt wurde
Erlebt mit dir

Vom A zum F

Tief stürzt man
Wenn man keinen Halt hat
Keinen Halt findet
Einen Niemand fängt
Nur tröstet

Die Wucht des Lebens
Sie erstickt so viel Lachen
Raubt einem die Illusion
Ein König zu sein
Das Leben ist kein Rotweingelage
Und kein Frauenschrein

Zweifelnd zurückgelassen
Von Wahrheitsfragen
Stück für Stück
Gestorben vor dem Tod

Er kam

Wie gerne möchte ich schreien
Doch bleib ich stumm
Ich weiß
Menschen gehen irgendwann

Doch warum gestern
Morgen, heute?


An jedem Haar

Es ist das Warten vor der letzten Tür
Wenn alles fliesst
Bilder nur im Fieber flirren
Die Gegenwart beugt sich der Vergangenheit
Vergangenheit verbissen in der Gegenwart?
Eine Zukunft gibt es nicht

An jedem Haar hängt eine Träne
Am weissen Haare hängt nur ein Mensch

Noch wenig Leben
Ein greises Kind
Hat keinen Spass am Leben
Auf jenen Schlüssel wartend
Der die letzte Tür wir öffnen

Jenem Fleisch, das and Bett gefesselt
Nicht mehr unterscheiden kann
Lebend sterben
Die Zeit, sie kriecht
Und dauert endlos lang
Die Uhr hat keine Zeiger
Der Sand fällt endlos tief

An jedem Haar hängt eine Träne
Am weissen Haare hängt nur ein Mensch

Kein Flehen hilft beim Sterben
Ich träume rückwärts
Bin ein Schlüsselkind
In Häusern ohne Türen
An jedem Haar hängt eine Träne
Am weissen Haare hängt nur ein Mensch
An jedem Haar hängt eine Träne
Am weissen Haare hängt nur ein Mensch


Traumzeitlos

Glaube ist ein Tanz zur Sonne
Strahlend glänzt der Tau
Wischt ab den Staub der Aschetage
Bricht Licht zu Regenbogenfarben
Die längs und quer die Zeit verbiegen
Und jeder küsst den Menschen den er will?

Traumzeitlos...

Gewollt ist Sacht der Partnertanz
Der mit dem Mond den Tag
Mit dunkler Nacht verdrängt
Um für wenig Stunden
Den Alltag aus dem Leben auszulösen
Um wild zu tanzen
Küssen
Leben

Traumzeitlos...

Das Alter grüßt
Und hat begriffen das
Alles was am Tag begehrt
Im Traum dich anlächelt
Aber erst durch Taten im Licht
Bestehen kann
So ist der Tau schuld am Untergang der Ignoranz
Trinkt Honigwein und Zuckermet
Und lasst euch sein
So wie ihr steht

Traumzeitlos...

Nicht so
Wie man euch
Sehen will Wie du und ich
Und küßt den
Oder die
Die ihr vermisst
Nicht so
Wie man euch
Sehen will
Seit ihr
Wie du und ich
Und küßt den
Oder die
Die ihr vermisst

Traumzeitlos...

Das Licht erlischt


Herbstkinder

Herbstkinder
Wintermütter
Frühlingshoffen
Sommertod

Jeden Tag ein Kind verloren
Jede Nacht ein Schrei geboren
Mütter klagen
Suchen
Hoffen
Väter schweigen wenn sie hoffen
Allein die Wahrheit stillt den Schmerz
Wo ist die Wahrheit?
Stillt den Schmerz?

Winterkinder
Frühlingsmütter
Sommerhoffen
Herbsttod

Frühlingskinder
Sommermütter
Herbsthoffen
Wintertod

Jeden Tag ein Kind geboren
Jede Nacht ein Schrei verloren
Väter klagen
Suchen
Hoffen
Mütter weinen kämpfen hoffen
Zeigen sich, der Welt den Schmerz
Wo bleibt die Welt?
Wer stillt den Schmerz?

Sommerkinder
Herbstmütter
Winterhoffen
Frühlingstod

Herbstkinder
Wintermütter
Frühlingshoffen
Sommertod