Lacrimosa: Angst (1991)

Seele in Not

Halte jetzt die Fackel
An mein Gesicht!
Ein Vogel gleitet über's Wasser,
Doch er sieht mich nicht.
Mein Schiff ist längst gesunken,
Ich bin am ertrinken.
Ich kenne so viele Hilfeschreie,
Doch kein Schiff in Sicht.
Nur verlorene Stunden,
Nur verlorene Tage.
Verloren, wenn wir sterben...
Verloren an was?

Doch ich lebe,
Ich lebe immer noch...
Ich lebe als eine Lüge...
Und die Liebe - eine Illusion...
Du tanzt im Licht der Zeit,
Du tanzt in Eitelkeit...
Eine leere Flasche
Und ich sterbe vor Durst.
Keine Kerze hat mehr Feuer,
Doch mein Herz verbrennt.

Ich höre den Schrei eines Babies...
Lüge im ersten Atemzug...
Asche zu Asche - Staub zu Staub!
Der Sünde sei vergeben!..
Blind vor Wut - Blind vor Schmerz,
Taub aus Liebe - Stumm vor Angst...
Kann ich mich nicht mehr halten,
Verliere den Verstand...

Ich kenne nicht deine Stimme -
Kann dich ja nicht verstehen;
Weiß nicht mal wie du aussiehst -
Hab' dich ja nie gesehen;
Kann nicht mal zu dir sprechen -
Nicht mal diesen einen Satz:
Ich liebe Dich!

Ich verfluche die Erinnerung und schicke sie weit fort.
Sie legt sich in mein Grab und wärmt für mich den Sarg.
Gemalte Bilder schmeicheln nur...
Denn wer malt schon, was so häßlich ist?


Requiem

Als die Sonne den Tag verließ...
Der Finger am Abzug,
Die Füße im Dreck,
Die Augen fest verschlossen,
Die Seele verkrampft,
Die Erinnerung gefressen,
Die Zukunft voller Angst...
Ein Engel am Tor der Hölle,
Luzifer im Paradies...
...Eine Jungfrau flüstert meinen Namen...

In nomini Patris, Filii et Spiritus Sancti.
Amen...


Laß mein Licht noch brennen
Und gib mir deinen Namen.
Seid still
Und laßt mich leben.
Nur diesen einen Augenblick,
Nur noch einen Moment.
Dann nehmt mich mit...
Laßt mich noch beten,
Laßt mich noch beten...
Laßt mich noch einmal flehen.
Ich komm' zurück zu euch,
Aber niemals zum Teufel.

In nomini Patris, Filii et Spiritus Sancti.
Amen...


Wer schickt nach mir?
Ich bin doch nicht blind.
Und doch, ich kann nichts mehr sehen.
Es ist soweit, habe ich recht?
Darf ich noch etwas sagen?
Hört mir noch jemand zu?
Hat es noch ein Gewicht?
Wer kann mich jetzt noch spüren?
Ist es geschehen?
Ist es vorbei?
Ist es geschehen?


Der Ketzer

Selbstgerecht,
Unfehlbar,
Sündenlos -
Du nennst dich Papst.

Mit blutverschmierten Händen,
Aus längst vergangenen Zeiten,
Mit gespaltener Zunge -
Tröstest du die Armen.
Arm, weil du ihr Geld stahlst.
Arm, weil sie dir glaubten.
Oh, Papst, du hast es weit gebracht!
Ich weine um deine Seele...

Herr der Fliegen,
Satan,
Du bist der Herr der Kirche.
Im Namen Gottes
Tust du dein Werk.
Herr der Fliegen,
Du bist der Papst.

Unser Papst auf Erden,
Dein Name vergehe,
Dein Wille ist des Satans,
Dein Reich ist die Hölle.
Vergib' uns unseren Haß,
Wie auch wir vergeben deinem Fleisch.
Deinem Fleisch - des Satans Diener...
Deinem Blut - des Fleisches Kraft...


Deinem Fleisch - des Satans Diener...
Deinem Blut - des Fleisches Kraft...


Der letzte Hilfeschrei

Wochen und Monate verstreichen
Und die Einsamkeit steht mir bei.
Das ist der Lohn - eiserne Einsamkeit.
Das ist der Alptraum meines Daseins.
Alleine - vergessen - abgeschoben ins Exil...
Keine Liebe, Wärme, Hoffnung...
Nur die Sehnsucht brennt in mir.
Ich hör' nur Stimmen und Geschwätz,
Doch keiner redet je mit mir.
Ich will hier 'raus - ich will hier weg - ich weiß nicht mal, was mir fehlt...
Ich bin gesund...

Wo sind die Menschen, die mir ihre Liebe versprachen?
Wo sind meine Eltern, die mich zeugten?
Wo sind meine Freunde, die zu mir standen?
Wo ist die Frau, die mich liebte?
Hat sie mich vergessen?
Haben mich alle vergessen?
Hat man mich ausgesetzt?
Hat man mich zurückgelassen?
Kann sich denn keiner an mich erinnern?
Kann mir denn keiner helfen?
Bin ich denn ganz allein?
Und wo ist der Doktor?
Wo sind die Schwestern?
Ich brauche Hilfe!
Ich habe Angst!
Hilfe!
Ich bin so allein...
Ich habe Angst...
Angst...


Tränen der Existenzlosigkeit

Meine Augen der Angst sind geflohen.
Mein Geist will sich mir verschliessen.
Mein Herz ist verhungert
Und meine Seele blickt mich fragend an.

Laßt uns tanzen,
Laßt uns spielen,
Laßt uns einfach nur glücklich sein.
Laßt uns tanzen,
Laßt uns spielen,
Laßt uns die Erinnerungen wieder beleben.
Doch niemand wird mich hören...
Wer soll mich denn auch hören?
Ich bin doch ganz allein...

Tagsüber haben wir gelacht und gespielt,
Nachts saßen wir nur da und weinten.
Wir haben nie begriffen,
Wie schön es war...

Später wollte ich Schönheit schöpfen,
Doch ich begriff sehr schnell:
Ein Wurm verkriecht sich im Dreck
Und dort liege ich immer noch,
Bereit zu sterben,
Bereit zu verfallen,
Bereit mich selbst zu vergessen...
So wird keine Träne fließen,
So wird keine Seele trauern,
So hat es mich nie gegeben!