Lacrimosa: Alles Lüge (1993)

Alles Lüge

Wenn man mich fragt, werde ich lügen:
Ich habe Angst vor der Wahrheit...
Wenn man mir glaubt, bin ich sicher...
Doch aus Reue werd' ich weinen.
Meine Gedanken wühlen im Dreck,
Doch meine Hände sind rein.
Ich will schweigen und blicke zu Boden.
Ich erzähl' mir selbst all die Lügen.

Ohne nur ein Lachen werd' ich schreien...
Ohne nur ein Weinen werd' ich mir verzeihen...
Ohne nur ein Sehnen werd' ich warten...
Und doch ich höre nur Lügen...

Und wenn ich träume,
Muß ich mich schämen,
Ich muß mich erklären
Und mich entschuldigen.
Ich baue eine Mauer
Und ziehe meine Kleider aus.
Ich baue eine Mauer
Und ziehe meine Kleider aus...

Ohne nur ein Lachen werd' ich schreien...
Ohne nur ein Weinen werd' ich mir verzeihen...
Ohne nur ein Sehnen werd' ich warten...
Und doch ich höre nur Lügen...

Alles Alles Lüge


Diener eines Geistes

Hier stehe ich erhaben über Schmerz und Wunden.
Hier stehe ich und blicke zu mir nieder.

Diener eines Geistes im Streit entzweit...

Ich bin bereit...

Diener eines Geistes im Streit entzweit...

Ich bin bereit...

Zwei Stimmen regieren meinen Geist
Und ich kann mich einfach nicht mehr verstehen.
Doch erhaben bin ich - auch über den größten Streit.

Ich bin bereit.
Hol' dein Messer 'raus,
Zerschneide deine Seele,
Höre deine Schreie,
Trinke dieses Blut
Und genieße es...

Diener eines Geistes,
Diener einer Kraft...
Diener eines Geistes,
Diener einer Kraft...


Ich verbarg meine Augen hinter Binden
Und hoffte mich verlassen zu können...

Du, Hure...

Jetzt sehe ich in den Spiegel
Und falle vor Schreck zu Boden.

Du beginnst langsam zu verstehen...

Ich liege zu meinen Füßen und blicke zu mir auf...

Mach dich frei,
Zeige mir dein Fleisch,
Zerschneide meinen Körper
Und ficke meine Seele,
Trinke diesen Saft und laß ihn fruchtbar werden.
Du wirst mich nicht mehr los.
Ich schreie in deinem Kopf.
Von innen zerschlag' ich dir den Schädel.
Fühle deine Schmerzen,
Spüre meinen Haß,
Zeig' mir deine Wunden -
Ich laße sie wieder bluten...

Diener eines Geistes,
Diener einer Kraft...
Diener eines Geistes,
Diener einer Kraft...


Laß mich allein - Nein!
Laß mich in Ruhe - Nein!
Ich flehe dich an - Nein!
Ich hab' dir nichts getan...

Du hast mich belogen - Ja...
Du hast mich betrogen - Ja!
Willst du dafür büßen? - Ja!
Willst du dafür bluten? - Ja!

Ich will mich dafür strafen...
Ich will mich dafür schlachten...
Ich will... Ich will... Ich will...


Ruin

In tränenvoller Nacht an einem Spiegel zerdrückt,
So weht der Wind durch leere Räume.
Das Leben ist ausgezogen,
Hat seine Reste hier vergessen.
Unter dem Teppich krieche ich hervor
Und sehe mich im Spiegel hängen -
Tot, blutleer und halb verfault...

Von den Göttern stieg ich hinab,
Um dich zu mir hinaufzuziehen...
Alter Stein in dunkler Nacht,
Tränental der Seele...
Gerufen hab' ich dich,
Ich habe dir befohlen,
Habe darum gefleht...
Doch mit keinem Blick hast du mich erhört.
Mit keinem Wort meiner gedacht,
Du zogst mich hinunter zu Dir.
Und viel tiefer warfst du mich hinab,
Und viel tiefer warfst du mich hinab...

Der Wind tritt diese Nacht durch leere Räume
Und die Stille, und die Stille trage ich...