Lacrimosa: Satura (1993)

Satura

Ich war auf der Gallerie meines Geistes,
Ich hörte die Musik meiner Seele,
Ich sah die Löcher meines Herzens
Und trank die Tränen meiner Schmerzen.
Ich stand im Schatten meines Lebens
Und wartete auf mein Erscheinen
Auf der Straße meiner Einsamkeit,
In den Mauern meiner Angst...

Auf der Straße meiner Einsamkeit
Dreh dich um und zeig' mir dein Gesicht...
Ich seh' meinen Schatten in deiner Hand,
Ich sehe mein letztes Mal bereitet...
Ich spüre mein Blut in deinen Adern...
Doch was kommt dran?
Doch was kommt dran?
Endlich finde ich die Lust am Leben:
Ich möcht' dich spüren, dich berühren...
Ich habe Angst,
Ich habe Angst...
Ich schließe meine Augen vor dir
Und blicke ins Zwielicht meiner Seele.
Ich halte meine Hand aus nach dir,
Doch berühre ich nur die Angst in mir.
Ganz allein in diesen Hallen -
Nur du und ich...
...Dreh dich um und zeig' mir dein Gesicht...

Nie sah ich so viele Türen,
Nie so viele Wege hinaus...
Nie hielt man mich fest,
Doch jetzt lieg' ich in Ketten...
...Dreh dich um und zeig' mir dein Gesicht...

Ich spüre meine Kr&aumlfte langsam schwinden,
Im Sturm der Zeit mein Augenlicht verblassen.
Als alter Mann richte ich mich auf,
Zum letzten Mal halt' ich meine Hände aus...

Ich spüre meine Kr&aumlfte langsam schwinden,
Im Sturm der Zeit mein Augenlicht verblassen.
Als alter Mann richte ich mich auf,
Zum letzten Mal halt' ich meine Hände aus...
Du drehst dich um und zeigst mir dein Gesicht,
Doch ich bin zu alt und sehe dich nicht...



Erinnerung

...Durchbohrte Gedanken...
...Vom Schmerz zerquetschte Augen...
Ersucht, im Feinen sich zu wenden...
Ersucht, im Feinen sich zu wenden...

Erinnerung in mir vergraben,
Erinnerung in mir versteckt...
Erinnerung, gib mir deine Kraft!

Erinnerung in mir vergraben,
Erinnerung in mir versteckt...
Erinnerung, gib mir deine Kraft!

Erinnerung, du frißt mich auf.
Erinnerung, du säufst mich leer.
Erinnerung, du verbrauchst meine Luft.
Erinnerung, du hast mich einfach gern!

Durchquerte Ideen:
Nach Morgen zu blicken,
Vom Gestern zu lösen,
Im Glauben zu hoffen...
Mit angsterfüllten Blicken
Sehe ich mich in deine Augen...
Du bist meine Droge...

Erinnerung, du frißt mich auf,
Erinnerung, du säufst mich leer,
Erinnerung, du verbrauchst meine Luft,
Erinnerung, du hast mich einfach gern!

Du frißt mich auf!
Du säufst mich leer!
Du verbrauchst meine Luft!
Erinnerung, du hast mich einfach gern!..

Du bist mein Tempel,
Du bist mein Ego,
Du bist mein Wasser,
Du bist mein Brot!

Ich bin dein Boden,
Ich bin dein Samen,
Ich bin dein Vater,
Bin dein Gott,
Bin dein Herr!


Erinnerung, gib mir deinen Dank!!!

Erschlag mich! Fester
Treib mich in den Wahnsinn!

Errettet mich, erschaffe mich, verführe mich mit dir!
Ich bekenne mich - ich liebe dich - ich haße dich dafür!

Erinnerung, gib mir deinen Sinn!


Crucifixio

Ich will betend bevor dich treten,
Bin gekreuzigt am Pfahl der Liebe,
Christi Blut in meinen Tränen...
Sieh' mich bitten,
Oh, hör' mein Flehen...

Voller Liebe dich zu erleben,
Vertrauensvoll mich dir ganz ergeben.
Dieses Herz dir zu Füßen legen -
Mein kleines Herzen -
Willst du's nehmen?..

Sei mein Engel, sei meine Sünde,
Sei meine Sonne, sei meine Sucht,
Sei meine Muse, sei meine Lust...
...In dir verweilen - in dir verharren...

Lieb mich, halt mich, für immer führ mich
In deine Welt... führ mich in dein Reich,
In deine Aura, in deinen Geist,
In deine Seele und in dein Fleisch...

Schenk mir nunmehr deine Schmerzen...
Laß uns teilen unser Leid,
Laß uns teilen unsere Freuden...
Sei mein Teil - ich liebe dich...


Versuchung

...Lieber sterben als dies noch einmal zu erleben...

Mit feuchten Augen blicke ich zurück.
Meine Lippen zittern hilflos überfordert:
Zuviel Worte drängen sich gemeinsam durch die Öffnung.
Nichts darf mehr hinaus...
Ich muß schweigen,
Ich muß schweigen...
Muß den Menschen endlich entfliehen.
Ich kenne jede ihrer Lügen,
Ich kenne jeden falschen Atemzug...
Der Freund ist viel zu nahe,
Er ist ein Mensch...
Er ist ein Mensch und Feind.
Das Schild der Freundschaft deckt ihn jahrelang,
Dahinter sammelt er die Waffen...

Flucht!
Flucht... Flucht... Flucht...

Mit feuchten Augen sehne ich mich zurück,
Erstarre - tiefe Sehnsucht...
Schweig' stille und erfriere...
Der Blick zurück erfaßt den Rauch,
Die Ruine darunter...
Erwartungsvoll gespannt,
Die Silouette zu erblicken...
Du steigst aus dem Nebel -
Zeig mir mehr von dir,
Zeig mir mehr von dir...
Fremde Venus, zeig mir mehr!
Lieber sterben als dich in vollem Glanz zu sehen!
Bereite mich!
Ich falle vor dir nieder, Feind!
Gib mir mehr von dir, Feind!
Zieh dich aus,
Entblösse deine Seele...
An deine Brust will ich mich binden,
Auf weißem Marmor mich zur Ruhe legen,
Unter deinen Augen mich dir beugen,
Unter deinen Schwingen mich dir ganz ergeben...
Weiße Göttin oder Mensch?
Gib mir mehr von dir!
Weiße Göttin oder Mensch?
Gib mir mehr von dir!
Laß mich in deinen Krater sinken,
Nimm mich gefangen in deiner Mitte,
Erhöre meine Sehnsucht!


...Lieber sterben als dies noch einmal zu erleben...


Das Schweigen

Ekel, der die Welt ergreift...
Haß, der durch die Herzen fließt...
Verderben, das durch die Reihen zieht,
Des Menschen edlen Reihen,
In denen Gleiches nur zu Gleichen steht...
Dazwischen eine Kluft sich schlägt
Und Rassen wie Geschlechter trennt...
Oh, Ekel, der sich der Welt bekennt...

Kein Mensch hat es gesehen,
Kein Mensch hat es gehört,
Kein Mensch wird etwas sagen
Und kein Mensch wird danach fragen...
Die ganze Straße riecht nach Blut,
Doch es ist nichts geschehen.

Diese Hände zum Beten gefaltet,
Diese Hände zum Töten bereit,
Diese Hände beten um den Frieden
Und diese Hände werden sie in Fesseln legen...
Dieser Mund bittet um Gnade,
Dieser Mund spricht von Schuld...

Dieser Mensch zerbricht und stirbt,
Dieser Mensch wird leben...
Diese Augen haben es gesehen,
Doch diese Augen schließen sich...

...Und ungehindert fließt das Blut...
Und ungehindert fließt das Blut,
Und das Schweigen wird unerträglich laut...



Flamme im Wind

Ein schwaches Kerzenlicht draußen vor der Türe,
Im Kampf um Glanz und Wärme,
Im Kampf um Glanz und Wärme...
Mein kleines Lebenslicht - eine Flamme im Wind,
Mein kleines Lebenslicht - eine Flamme im Wind...
Mein lachendes Gesicht erscheint im Spiegel.
Ein Atemzug vergeht, dann versinkt es in der Dunkelheit...
Lautlos und stumm,
Lautlos und stumm,
Lautlos und stumm...

...Figuren im Winter...
Ich lecke meiner Seele Wund...
Ein Ruf erhellt die Nacht...
In Hoffnung gehüllte Erwartung,
Doch mit der Stille folgt die Einsamkeit.
Ernüchterung bis hin zur Resignation,
Statische Monotonie...
Ein zweiter Ruf bleibt aus,
Ein zweiter Ruf bleibt aus...

Meine Gestalt wird Teil der Nacht.
Der Atem verschleiert mein Spiegelbild...
Im Nebel erscheint die Silouette,
Wie damals, es kehrt wieder...
Ich entblösse meinen Körper,
Fremde Augen brennen Wunden in meiner Haut...
Ich spüre meine Sehnsucht wachsen...
Im Sturm sich meine Hoffnung, mein Verlangen mehren...
Doch das ist alles, was geschieht,
Das ist alles, was geschieht...

Der Schnee tanzt um die Flamme,
Ihr Glanz ist trübe.
Sie birgt kein Licht, keine Wärme, keine Hoffnung mehr in sich...
Mein Körper vom Eise besiegt,
Mein Körper vom Eise besiegt.
Die Flamme erlischt...
Meine Flamme erlischt...

Doch der Traum wird niemals enden,
Die Sehnsucht niemals sterben,
Nochimmer gibt es ein Warten...
Mein Körper liegt regungslos im Schnee,
Mein Körper liegt regungslos im Schnee...

Er harrt der Sonne...
Die Hände sind geöffnet,
Das Lächeln im Gesicht wird nie verweht...